Neu: Archivtexte aus der IT-Jungsteinzeit

Peu à peu wird mein Online-Archiv vollständiger. Seit kurzem sind die ersten meiner Beiträge für connect! online, seit heute auch die ersten aus der WirtschaftsWoche. Sie stammen aus den Neunzigerjahren – einer Zeit, als man dachte, harmlose Infrarotstrahlen könnten eine Alternative zu den gefürchteten Funkwellen sein, mittels derer wir telefonieren und Daten senden. Damals glaubten auch ein paar Unternehmer, die Welt brauche satellitengestützte Handynetze – und diese würden sogar preislich konkurrenzfähig sein. Daran sieht man, dass nicht nur Jürgen Schrempp und Thomas Middelhoff nicht gescheit rechnen konnten, sondern auch… Bill Gates. Nun gut, es war wenigstens zum Teil sein eigenes Geld, und leisten konnte er sich das allemal.

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Handykosten höher als das Matterhorn

Kürzlich waren wir in der Ostschweiz. Ein österreichischer Interviewpartner rief netterweise zurück. Darum kostete mich das die EU-Grenze überschreitende Gespräch „nur“ 69 Cent pro Minute. Hätte ich ihn angerufen, hätte mir die Telefongesellschaft Simyo (eigentlich ein Discount-Anbieter) im Minutentakt 1,49 Euro abgeknöpft.

Wenn das Telefonat auch nur ein bisschen länger gedauert hätte, wäre es rentabel gewesen, sich ins Auto zu setzen und ein paar Kilometer nach Osten zu fahren, bis das österreichische Netz auf dem Display erscheint. Ich hätte nicht einmal ein Viertel der Handykosten gehabt.

Auch Google Maps, das ich aus Gewohnheit unbedacht nutzte, dürfte ein teures Vergnügen gewesen sein, denn das Megabyte kostet „Handykosten höher als das Matterhorn“ weiterlesen

Süddeutsche Litfaß-Stelen

Heute irritiert die Münchner Leib- und Magenzeitung wieder mal den gebildeten Teil ihres Publikums mit ein paar sonderbaren Einfällen:

Ein Foto zeigt die dicken fetten Betonpoller, mit denen die Stadt München sicherstellen will, dass etwaige Selbstmordislamisten-Sprengstofflaster wenn überhaupt, dann nur weit vor dem eigentlichen Festgelände detonieren. Es handelt sich, wie man unschwer erkennt, um zwar frei stehende, nicht aber mit einem Relief oder einer Inschrift versehene Säulen – so definiert das Duden-Fremdwörterbuch den griechisch-stämmigen Begriff Stele. Die Wikipedia präzisiert, unter einer Stele verstehe man meist einen hohen, rechteckigen Pfeiler, beispielsweise einen Obelisken. Von einer Plakatierung wie auf dem Foto wissen die Quellen nichts zu berichten. Insofern sagt das SZ-Bild mal wieder mehr als viele Worte: Bei den Objekten handelt es sich – von der städtebaulich-optischen Qualität her – schlicht und banal um ordinäre, etwas zu niedrig geratene Litfaßsäulen. „Stele“ ist nun nicht direkt als deren bildungsbürgerliches Synonym zu verstehen und schon gar nicht als Euphemismus (selbst wenn die Stadtverwaltung dies glauben sollte): Eine typische Stele dient als Grabmal. Und hier beginnt die sprachliche Unsauberkeit endgültig makaber zu werden. „Süddeutsche Litfaß-Stelen“ weiterlesen

Star Wars? Beer Wars!

Wer Kolumnen über Irrwege der Technik schreibt, muss viel lesen und anschauen. Manchmal ist etwas dabei, das zwar nicht genug hergibt für eine Magazinseite, aber doch zu schade ist, nicht wenigstens kurz darauf einzugehen.

Hier ist ein schönes Beispiel dafür, was dabei herauskommt, wenn Forscher, Ingenieure oder Informatiker zu viel Geld zur Verfügung haben: eine Art R2D2 für Leute, die zu faul sind, zum Kühlschrank zu gehen. Was dem Kerlchen fehlt, ist allerdings das eingebaute Urinal. Wenn das Bier den Körper des Users durchlaufen hat, muss sich der Ärmste also doch noch aufraffen und seinen Schreibtisch verlassen.

Quelle: Handelsblatt.com

Der Troll von der Bundesbank

Soll ich zum Umgang der Medien mit Thilo S. was posten? Diese Frage habe ich mir schon vor ein paar Tagen gestellt — und erst mal nix getan. Dann kam im Jonet, einer Mailingliste meiner Zunft, die Debatte auf, ich gab meinen Senf dazu, und eine Kollegin meinte, ich solle das doch auch öffentlich machen. Die Frage war: Was ist von der Diskussion im Leserforum der taz zu halten? Und: Ist das rassistisch, was der Mann schreibt?

Hier also mein Senf:

Mir fällt es schwer, mich überhaupt mit jemandem auseinanderzusetzen, der die These vertritt, dass Menschen aus überwiegend islamisch geprägten Ländern wie der Türkei grundsätzlich, nun ja, ökonomisch nutzlos für Deutschland seien, christliche Südeuropäer aber natürlich wertvoll. Abgesehen davon, dass nun wirklich nicht alle Türken fromme Muslime sind, atmet solch eine Pauschaleinschätzung den gleichen „Geist“, der auch rassistische Äußerungen prägt.
Mir ist es ehrlich gesagt wurscht, ob jemand ein rassistisches Scheusal ist oder ein pseudoreligiös motiviertes.

Für mich ist das, was dieser Herr von der Bundesbank mit breiter Unterstützung der Medien „Der Troll von der Bundesbank“ weiterlesen