„i-Bäh“, sagt eBay zu meinem Mac

Ja, was denn nun?

Fressen Feuerfüchse Cookies oder nicht? Und was hat das i-Bäh des Brausers mit eBay zu tun? Muss ich die Mozillas prügeln oder den Auktionär?

Vorsicht, Kamera (denkt mit)!

Neue Software macht Fotoapparate endlich idiotensicher. Doch warum muss sich der Fortschritt an Deppen orientieren?

Was haben wir doch damals den Mund voll genommen in dem kleinen Fotogeschäft, in dem ich als Student jobbte. Als „idiotensicher“ verkauften wir die seinerzeit revolutionären Kameras mit Autofokus und Belichtungsvollautomatik. Ein Kollege ätzte, jetzt fehle eigentlich nur noch die Motivklingel, die dem Knipser signalisiert, wann er auf den Auslöser drücken soll. Wer damals fotografierte, dachte sich nämlich etwas dabei.

Bald war freilich klar, dass die Automatisierung dem technikgläubigen Laien ungeahnte Möglichkeiten gab, seine Schnappschüsse kreativ zu ruinieren. Die Abzüge zeigten nicht nur unterbelichtete Mitmenschen vor gleißenden Landschaften, sondern auch verschwommene Gestalten vor gestochen scharfem Hintergrund – wenn nämlich der Entfernungssensor zwischen den Köpfen hindurch gepeilt und das Objektiv auf „unendlich“ justiert hatte. Der künstlerische Schaden ließ sich potenzieren durch eine Innovation namens Aufhellblitz. Der sollte eigentlich die Schatten aus den Gesichtern vertreiben. Fortan wunderten sich die Touristen aber über unförmige weiße Flecken auf ihren Nachtaufnahmen der Skyline von Manhattan: Myriaden von Motten, die beim hoffnungslosen Versuch der Kamera, per Automatikblitz den gegenüberliegenden Wolkenkratzer zu illuminieren, in den Photonenhagel geraten waren.

Getrieben vom Ehrgeiz, Intelligenz und Kamerabedienung immer weiter zu entkoppeln, ist die Fotoindustrie inzwischen über sich selbst hinausgewachsen. Ihre neuesten Produkte nehmen nicht nur Technik-Analphabeten die letzte Berührungsangst, sie motivieren sogar notorische Kunstbanausen zu wahren Knips-Exzessen. Wer je bei einem Kollegen über die Schulter auf ein kleines Kameradisplay starren musste, um höflich Hunderte schlechter Urlaubsbilder an Auge und Hirn vorbeizappen zu lassen, wünscht sich zurück in die Zeit der Diaschauen. Damals war jedes missratene Bild verlorenes Geld. Heute belichtet man erst mal drauflos, es gibt ja zu jedem Fehler ein Gegenmittel: Statt einem einzigen Schärfemesser das Fokussieren anzuvertrauen, lässt man Dutzende von Sensoren eine Mehrheitsentscheidung treffen. Droht der Knipser das Bild zu verwackeln, hält die Kamera-Elektronik in Echtzeit dagegen. Vorletzter Schrei war die „Smile“-Funktion, bei der die Kamera erst auslöst, wenn die fotografierte Person „Cheese“ oder etwas Ähnliches sagt. Seither gibt es von manchem griesgrämigen Charakterkopf kein frisches Foto mehr.

Womit die Hersteller jetzt werben, geht allerdings zu weit. „Motiverkennung“ heißt ihr aktuelles Zauberwort. Sie meinen zwar nicht unsere gute alte Motivklingel, die schrillen würde, wenn eine hübsche Frau unseren Weg kreuzt. Aber was sich hinter dem harmlosen Begriff verbirgt, ist Graus genug für jeden anständigen Fotografen, bei dem die Bilder noch im Kopf entstehen. Es gibt bereits Modelle mit virtuellem Visagisten. Ist deren „Make-up-Funktion“ aktiviert, zaubern Chip und Software Falten und Pickel weg. Von da ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zur vollautomatischen Smile-Make-up-Software, die missmutige Mundwinkel schon während der Belichtung nach oben zieht.

Unter uns: Die Prototypen sind bestimmt längst in der Erprobung. Oder was glauben Sie, warum Ihnen die Bundeskanzlerin neuerdings so penetrant aus allen Zeitungen ins Gesicht lächelt?

ULF J. FROITZHEIM greift als freier Journalist gern auch mal zur Kamera. Unvermeidliche kosmetische Eingriffe erledigt er lieber von Hand.

Aus der Technology Review 12/2009, Kolumne FROITZELEIEN

Nette Post von Uschi Doppel-Name

Lieber André Zalbertus,

es ist schon interessant, was man heute für e-Post bekommt, wenn man bei Kollegenblogs seine Meinung samt Homepage-Link hinterlässt. Vorige Tage meldete sich eine mir fremde Dame namens Uschi – offenbar ein etwas älteres Semester, denn Doppel-Namen à la Kruse-Sonstwas sind ja, wie man hört, sowas von out – und flamete mir eine kostenlose ferndiagnostische Psychoanalyse in die Mailbox: „Nette Post von Uschi Doppel-Name“ weiterlesen

60 Jahre und kein bisschen weise

1949, vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, erlebte Deutschland eine Gründungswelle. Nicht nur die Bundesrepublik feierte daher dieses Jahr ihr 60-jähriges Bestehen, sondern auch eine ganze Reihe von gesellschaftlich mehr oder minder relevanten Institutionen und Organisationen – und unter ihnen auch die Deutsche Journalistenschule und der Deutsche Journalisten-Verband, kurz: DJS und DJV.

Welch ein Kontrast: Das DJS-Jubiläum war ein rauschendes Sommerfest im Münchner Prinzregententheater, die Festrede zelebrierte Angela Merkel höchstselbst mit sichtlichem Vergnügen, abends conferencierte Günther Jauch die Tombola. Die Fete war eigentümlich heiter, wenn man bedenkt, welche Berufsaussichten die Absolventen von heute haben.

Der DJV dagegen beging seinen Geburtstag, einen Monat verfrüht, im grauen November, und der Rest vom Fest passte zur Jahreszeit: Unprätentiöser Jubelakt Jubiläumsakt im Kongresstrakt einer städtebaulichen Missgeburt anonymen 90er-Jahre-Bettenburg in Neukölln, deren Adresse "Sonnenallee" der einzige Farbtupfer war – und mit dem für Kulturgedöns fragen zuständigen Staatsminister Bernd Neumann (einem jener Politiker, die man nur unter Androhung von Waffengewalt lächelnd aufs Foto bekommt) als Gesandtem der Obrigkeit. „60 Jahre und kein bisschen weise“ weiterlesen

Live Blogging aus Berlin: Saboteure im Estrel

Journalisten können entgegen anderslautenden Gerüchten aus der Blogosphäre normalerweise bis zehn zählen und sind auch in der Lage, eine blauen von einem grünen Stimmzettel zu unterscheiden.

Also war es wohl kein Versehen, dass beim Verbandstag des Deutschen Journalisten-Verbandes ein eklatant falscher Stimmzettel in der Urne im zweckentfremdeten Sektkübel landete: Bei der Wahl der drei Beisitzer aus vier Kandidaten warf ein Teilnehmer statt des grünen Kärtchens Nr. 7 Jg. 2009 unbemerkt ein blaues Kärtchen mit der Nummer 10 aus dem Vorjahr ein. Da die Gewählten nicht auf dem Kärtchen selbst, sondern auf einem gesonderten DIN-A4-Bogen aufgeführt waren, ließ sich beim Auszählen nicht eruieren, welcher Stimmzettel ungültig war.

Folge 1: Der Wahlgang muss wiederholt werden – und zwar sicherheitshalber per Hammelsprung…

…bei dem alle Schlange stehen müssen. Strenge Wahlbeobachter an der Tür passen auf, ob die Delegierten auch brav den rosa Stimmzettel und das grüne Stimmberechtigungskärtchen in die beiden separaten Urnen werfen.

Folge 2: Es bleibt weniger Zeit für Diskussionen über die eigentlichen Themen des Verbandstags.

Wenn es nicht so peinlich wäre, sollte man fast die Gelegenheit nutzen, dass das Hotel Estrel nicht nur DJV-Tagungshotel, sondern Haupt-Quartier der zum 9. November in die Hauptstadt abkommandierten Polizisten ist: Der Täter dürfte Fingerabdrücke auf dem blauen Stimmkärtchen hinterlassen haben. Die Handschrift der Sabotageaktion, sagen viele Teilnehmer, komme ihnen allerdings ziemlich vertraut vor.