Staatsknete für die Presse?

Preisfrage: Wer denkt sich so etwas aus?

Öffentliche Aufgabe der Medien bedingt öffentliche Finanzierung

Die Medien und ihre Journalisten haben im demokratischen Staat eine wichtige öffentliche Aufgabe. Öffentliche Aufgaben müssen auch öffentlich, d.h. durch den Staat finanziert werden. Eine Pflicht Privater, öffentliche Aufgaben wahrzunehmen und zu bezahlen, gibt es nicht. Soweit eine öffentliche Aufgabe von Privaten – Verlagen oder Journalisten – tatsächlich wahrgenommen wird, hat der Staat entsprechende Subventionen zu gewähren. Diese können – und müssen – in Privilegien (z.B. Abschaffung der Umsatzsteuer für Presseerzeugnisse, keine GEZ-Gebühr für Journalisten, Freibeträge bei Lohn- und Einkommensteuer, etc.) oder direkten Zuschüssen bestehen. Der DJV duldet es nicht, dass der Staat unseriöse Banken und kriminelle Börsenzocker mit Hunderten von Milliarden alimentiert, Journalisten aber der Verelendung überlässt – Journalisten und Medien sind „systemrelevant“. „Staatsknete für die Presse?“ weiterlesen

Brandenburger Schenkelklopfer

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) soll Transparenz nicht nur fordern, sondern auch leben – fordert das Schlusslicht in der DJV-Mitgliederstatistik*, der wahrhaftig überregionale "Landesverband" Brandenburg**.

So sei es. Es wäre nämlich wirklich schade, wenn der Außenwelt verborgen bliebe, mit welch fantasievollen Beschlussvorlagen die Brandenburger Kollegen die Delegierten des DJV-Bundesverbandstags 2009 beglücken. Sollten all ihre einschlägigen Anträge durchgehen, könnte es künftig mehr Zuschauer als aktive Delegierte bei solchen Jahresversammlungen geben. Das Publikum hätte echt was zu lachen, „Brandenburger Schenkelklopfer“ weiterlesen

Transparenz in eigener Sache

Was Qualitätsjournalismus ist, will der DJV Brandenburg vom Bundes-DJV wissen . Nun ja, dazu gehört auf alle Fälle gute Recherche. Die hätte zum Beispiel dazu geführt, dass der DJV Brandenburg sich folgenden populistischen Verbesserungsvorschlag in dieser Form verkniffen hätte:

Tantiemenabführung durch DJV-Funktionäre

DJV-Mitglieder oder -Funktionäre, die Mandate des DJV in anderen Organisationen wie Gremien von Rundfunkanstalten, Verwertungsgesellschaften, Versorgungswerken, Versicherungen, etc. ausüben, haben ihre damit verbundenen Einkünfte (Tantiemen) zu 90 Prozent und unverzüglich nach Zufluss an den DJV abzuführen.

Antrag E 29 an den DJV-Verbandstag 2009, eingebracht vom Landesverband Brandenburg

Die Verwertungsgesellschaft Wort, in deren Verwaltungsrat ich (DJV-Mitglied) sitze, funktioniert ganz anders „Transparenz in eigener Sache“ weiterlesen

Warum der DJV sich wieder mal mit sich selbst beschäftigen muss

Für manche Kollegen bin ich ein berufspolitischer Masochist. Sie belächeln mich, weil ich mir nicht abgewöhnen kann, im Deutschen Journalisten-Verband mitzumischen. Zwar bin ich kein richtiger Funktionär mehr, nur noch bayerischer Delegierter zum Verbandstag in Berlin (8.-10. November). Aber selbst für die niedrigste Stufe des ehrenamtlichen Engagements (die Gewählten stellen sich einmalig für 48 Stunden zuzüglich Anreise in den Dienst der Gemeinschaft) muss man ein gewisses Quantum an Leidensbereitschaft mitbringen.

Das hat damit zu tun, dass die übervolle Tagesordnung von, wie es so schön amtsdeutsch heißt, "innerverbandlichen" Themen dominiert wird – eine quälende Vereinsmeierei, die übrigens nicht der Vorstand zu vertreten hat, sondern ein paar Möchtegern-Rebellen, die auf ihre alten Tage den Reiz des Marschs durch die Institutionen entdeckt haben, aber sonst alles andere als Achtundsechziger sind. „Warum der DJV sich wieder mal mit sich selbst beschäftigen muss“ weiterlesen

Aktualisiert: Ich hab‘ doch nur zitiert, sprach der Blogger

Original-Post (1.11.): Habe vorhin mal wieder bei Bluelectric vorbeigeschaut und habe gemerkt, dass man nicht mal einen Tag offblog sein kann, ohne eine Diskussion zu verpassen, bei der man sich ans Hirn zu langen fast gezwungen ist.

Es geht um eine freie Journalistin, die von Manhattan aus Reiseberichte und Bücher schreibt sowie tazblogt und sich auf etwas brachiale Art gegen Urheberrechtsverletzer wehrt.

Es ist ziemlich anstrengend, sich durch die endlosen Kommentarspalten bei Niggemeier, Spreeblickjohnny, Carta, Freischreiber & Co. zu kämpfen. Aber wer eine Master Thesis im Fach Kommunikationswissenschaft über die kommunikativen Gräben zwischen erwerbsmäßigen Journalisten und Hobbybloggern schreiben will, findet sicherlich reiche Ausbeute.

Und hier ein bisschen Senf von mir.

Nachtrag (3.11.): Den Senf hätte ich mir sparen können. Niggemeier-Leser schreiben lieber als zu lesen. Argumente? Ach, egal. Wir haben doch schon eine Meinung. Und es gibt doch noch so schöne Off-topic-Aufreger: Die Autorin aus New York/Berlin hatte tatsächlich die Chuzpe, ihr eigenes Buch per Kundenrezension bei Amazon zu bewerben und sich fünf Sternchen zu geben nehmen. Das ist so dreist, dass es fast schon wieder genial ist. Und Hand aufs Herz: Würde irgendein Autor sein eigenes Buch mit nur einem Stern bewerten? 😉 Jedenfalls hat dieser Fauxpas ein "Möbchen" (Detlef Gürtler) auf den Plan gerufen, das jetzt die positiven Fremdrezensionen des Buchs in den Orkus zwonullt – man darf annehmen: ohne das Buch gelesen zu haben. Ein Mensch hat sich sogar die Mühe gemacht, einen kleinen Verriss zu schreiben – mit ganz offener Anspielung auf die skandalöse "Schleppnetzfahndung" der Autorin nach harmlosen Plagiatoren.

World Wide Kindergarten oder was?

Nachtrag (6.11.): Johannes Boie von der Süddeutschen hat von Eva Personanongrata Schweitzer erfahren, wie die Schleppnetzfahndung zustandekam. Ein Lehrstück darüber, dass man als Journalist um Abmahnjuristen besser auch dann einen Bogen macht, wenn sie vorgeben einem helfen zu wollen. Dennoch bleibt festzuhalten: Viele, die Eva Schweitzer vorwärts, seitwärts und rückwärts durch den Sauermilchkakao schleifen und dann noch in Kaba pudern, zeichnen sich aus durch ein Rechtsverständnis, das mindestens ebenso befremdlich ist wie das ihrige.

Noch ’ne Metapher? Voilà: Stefan Niggemeier hätte eine Menge Arbeit, wollte er die Scherben aller Glashäuser wegfegen, die seit dem 30. Oktober in seiner Kommentarspalte zu Bruch gegangen sind.