Handyphobie als Geschäftsmodell

Beim Ausmisten meines Computers stieß ich auf Login-Daten einer Website, die ich bei Recherchen zu „Elektrosmog“-Storys wie „Wellen des Wahns“ besucht hatte. Interessant (und löblich), dass die Domain noch existiert – als zeitgeschichtliches Dokument und Lehrstück über die Grenzen der Manipulierbarkeit von Menschen.

„IZgMF“ (ursprünglich als Gegenstück zum Informationszentrum Mobilfunk alias IZMF angelegt) ist nämlich schon lange keine Gegen-Seite mehr. Die Kehrtwende hing eng mit der viel zu selten gestellten Frage „cui bono“ zusammen:

 

„Wir wähnten uns als Teil einer Bürgerbewegung, tatsächlich waren wir nur “nützliche Idioten” in einer Inszenierung gewesen. Im Laufe der Zeit fanden wir zahllose Hinweise, die den Verdacht einer Inszenierung durch materielle und immaterielle Profiteure zur Gewissheit werden ließen. Wer Angst vor Funkwellen sät, kann alsbald ernten. Und mit künstlich geschürter Angst vor Sendemasten lässt sich weitaus mehr Profit erwirtschaften als mit Angst vor Handys. Das Spektrum der Nutznießer ist breit und weitgehend unerforscht. Doch es gibt Konzentrationen unter Baubiologen, Anbietern von Esoterikprodukten, Umweltmedizinern, “unabhängigen” Standortplanern, Anbietern von Low-cost-Messtechnik sowie unter Rechtsanwälten und Politikern. Außer Konkurrenz sind Profilneurotiker und Fanatiker, doch auch die tummeln sich dort. Sie alle profitieren von einem möglichst endlosen Fortgang der Mobilfunkdebatte.“

In der Liste der Profiteure fehlen nur noch die Immobilienspekulanten, die günstig Häuser kaufen konnten, wenn Mobilfunkmastophobiker in heller Panik auszogen. Das Schüren von Angst vor der Basisstation als Beitrag zur taktischen Wohnwertminderung war ein Konzept, das eine ganze Weile aufging. Jetzt wohl nicht mehr.

 

SZ vergurkt Mindestlohn-Aufmacher

„Mindestlohn treibt die Preise“, konstatierte die Süddeutsche in ihrem gestrigen Aufmacher. Taxifahren könnte im Bundesdurchschnitt um 25 Prozent teurer werden, in manchen Regionen auch um mehr als die Hälfte, schreibt das Blatt unter Berufung auf den Taxler-Präsidenten Michael Müller.

Dann rechnen wir doch mal nach, ob das plausibel ist. Die Fahrer werden derzeit nicht pro Stunde bezahlt, sondern nach Umsatz. Umgerechnet soll der Stundenlohn bei 6 bis 6,50 Euro liegen. Nehmen wir die Mitte, also 6,25 Euro, so steht eine Erhöhung der Lohnkosten um 36 Prozent an. Damit 36 Prozent mehr Lohn die Dienstleistung um 25 Prozent verteuern, müsste der Lohnkostenanteil bei etwa 70 Prozent liegen. Aber ist das so?

Schauen wir mal in einem Taxi-Branchenportal nach den Laufleistungen der Fahrzeuge. „SZ vergurkt Mindestlohn-Aufmacher“ weiterlesen

Twitter ist ein kleiner Nichtkonzern

Manche Kulturredakteure verirren sich gerne mal auf wirtschaftliches Terrain. Geld regiert die Welt, also müssen auch sie mitreden. Sollen sie. Nun erwarte ich nicht einmal, dass sie deutsche Billionen und amerikanische Billions auseinanderhalten können oder gar wissen, wieviele Ziffern dabei links vom Komma stehen. Leute, die damit nicht zurecht kommen, finden bei Tageszeitungen ja sogar im Wirtschaftsressort Jobs. Allerdings sollten sich die Kollegen wenigstens mit den Begrifflichkeiten vertraut machen, die sie verwenden.

Randständiger Cyberquatsch

Randständiger Cyberquatsch-online

 

 

 

 

 

So hält der forsche Dirk von Gehlen, Internetversteher vom Dienst bei der Süddeutschen Zeitung, Twitter für einen börsennotierten US-Großkonzern. Korrekt daran ist, dass Twitter in den USA ansässig ist und an der Börse notiert ist. Allerdings ist das Unternehmen weder groß noch ein Konzern. Als US-Großkonzerne gelten gemeinhin die Betriebe, die in den Fortune 500 zu finden sind. Firmen dieser Liga verbuchen jährliche Umsätze ab etwa fünf Milliarden Dollar. Twitters 2700 Beschäftigte bringen es nur auf 664 Millionen Dollar, vergleichbar etwa mit der mittelständischen Allgäuer Käserei Champignon („Cambozola“). Pro Dollar Umsatz erwirtschaftet Twitter allerdings fast einen Dollar Verlust – das können und wollen die bayerischen Senner nicht bieten.

Twitter könnte den Umsatz versiebenfachen und würde noch immer nicht im Fortune-Ranking erscheinen. Zwischen dem Zwitscherdienst und der derzeitigen Nr. 500, dem Lebensmittelgrossisten Nash Finch, liegen nämlich noch ein paar Tausend andere Aspiranten. So viel zur Größe.

Ein Konzern wiederum zeichnet sich dadurch aus, dass er Tochterfirmen hat, die eigene Geschäfte tätigen, meist unter eigenen Marken und oft in anderen Geschäftsfeldern als die Mutter. Amazon ist zum Beispiel ein Konzern. Twitter hat zwar ein paar Startups geschluckt, aber um sie in die eigene Firma zu integrieren.

SZ: 90 ist das neue 22,5

„Willibald Sauerländer wurde in einem Schaltjahr geboren, am 29. Februar 1924. Er wird nun also zugleich 90 Jahre alt als auch 22,5 Jahre jung.“

Kia Vahland, Süddeutsche Zeitung, 28.2.2014

Ähem, gehe ich recht in der Annahme, dass Sie eigentlich schreiben wollten, Sauerländer sei noch so jung, dass er noch nicht einmal seinen 23. Geburtstag feiern konnte?

dm Drogeriemarkt spielt mit falschen Karten

dm-GewinnspielBisher habe ich dem dm-Drogeriemarkt immer vertraut. Seit heute tue ich das nicht mehr.

Heute lag nämlich ein Flyer für ein Werbe-Preisausschreiben im Briefkasten, der zum Himmel stinkt. Zwar steht unter „Datenschutz“ folgende Behauptung:

„Für die Teilnahme am Gewinnspiel ist die vollständige Angabe von Namen und Adresse erforderlich. Diese Daten werden von dm (sic!) ausschließlich zur Durchführung des Gewinnspiels genutzt, insbesondere (sic!) zum Versand der Gewinne. Nach Abschluss des Gewinnspiels werden sämtliche Teilnehmer-Daten vollständig gelöscht.“

Glaubwürdig ist das leider überhaupt nicht. Verräterisch ist schon mal die Einschränkung „insbesondere“. Wenn etwas „insbesondere“ auf eine Weise genutzt wird, dann wird es gerade nicht ausschließlich so genutzt. Der Satz ist also ein Widerspruch in sich. „dm Drogeriemarkt spielt mit falschen Karten“ weiterlesen