Werbefreie Anstalten wären 19,99 € wert

Jetzt lavieren sie wieder herum, die Medienpolitiker. Zum Beispiel Kurt Beck, ein wasserscheuer SPD-Knuddelbär, der mutig eine Pelzwäsche fordert. . Werbung raus aus 2DF und ARD, tönt der Gute, aber eigentlich meint er nur die TV-Spots, denen man mit Timeshift-Recorder, Zappen oder Stuhl-Gang leicht entgehen kann. Im Radio dagegen – wo die Nervtöter weitaus penetranter werkeln als im Fernsehen – soll alles so unerträglich bleiben, wie es ist. Und mit den so genannten Sportsponsoren wollen sich der Pfälzer und seine Mitstreiter auch nicht anlegen. Dabei ist es traurig, dass sich so genannte Sport-„Journalisten“ bereitwillig zu Handlangern plattester Reklame machen lassen und die Sender für das Recht, wandelnden Litfasssäulen vor Logo-gepflasterten Stellwänden das Mikro unter die Nase zu halten, auch noch Gebührengeld rauswerfen. Wenn die Kollegen oder ihre arbeitgebenden Anstalten wenigstens einen Teil der Werbe-Knete abbekämen, würde ich es ja noch verstehen. Das wäre dann immerhin eine Art von Korruption, von der sie profitieren würden. So ist es nur eine Déformation professionelle: Bitte, bitte, lasst uns auch mitspielen, wir machen vor Euch auch schön den Rücken krumm!

Wenn Bayern München und Manchester United in der Champions League wetteifern, handelt es sich um kommerziellen Wettbewerb zwischen zwei Konzernen der Entertainment-Industrie. Diese Konzerne sind Konkurrenten der Medienkonzerne um das Geld ihrer Werbe-Kundschaft aus der Brauwirtschaft, der Telekommunikation, Autoindustrie und anderen Branchen. Jedes im Fernsehen ausgestrahlte Fußballspiel müsste, wenn gleiches Recht für alle gälte, heute ebenso mit der Einblendung „Dauerwerbesendung“ stigmatisiert werden wie Stefan Raabs Wok-WM. Der Unterschied ist allein der, dass Raab und Prosieben ehrlich sind: Sie bekennen sich zum Geschäftsmodell des werbefinanzierten Fernsehens. Und wenn ich ihr Programm einschalte, dann tue ich das im Bewusstsein, dass dieser Sender von mir keine Gebühren bekommt. Das sind klare Verhältnisse. Die Macher aus der „Ersten Reihe“ dagegen lügen sich, mit Verlaub, doch nur selbst in die Tasche.

Bei einem Ausstieg aus der Werbung würden die Gebühren steigen, behaupten die Medienpolitiker und Intendanten, vielleicht auf fast 20 Euro. Das widerspricht zwar den Grundrechenarten, denn die Werbeeinnahmen pro Gebühreneinzahler liegen näher bei 50 Cent als bei 2 Euro. Dennoch wären ein Erstes und ein Zweites Deutsches Fernsehen, deren Chefs nicht mehr in den Kategorien des werbefinanzierten Privatfernsehens denken dürften, mindestens 19,99 Euro pro Monat wert – wenn man dann so klug und konsequent ist, auf jegliche Gebühr für Mediennutzung am Arbeitsplatz zu verzichten, wenn der Büromensch oder Kraftfahrer schon zu Hause brav seine Gebühr zahlt.

WIrklich konsequent wäre es allerdings, wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen sich auch beim großen Kostentreiber Sport auf seine verfassungsmäßigen Pflichten besänne und das sportliche Treiben auch dann in seiner Breite darstellen würde, wenn nicht gerade Olympische Spiele sind. Leider sind viele TV-Macher vom Vermarktbarkeitsvirus infiziert. Sie diffamieren alles als „Randsportart“, was keine Millionen an kampftrinkenden Sofasportlern vor die Glotze lockt. Ich habe großen Respekt von Firmen, die den Gedanken des Sponsorings ernst nehmen und die Clubs, denen sie Geld geben, nicht nach Effizienzkriterien des Marketings auswählen.

Wenn Kurt Beck unbedingt meint, man müsse bei einem künftigen Werbeverbot Ausnahmen zulassen, dann mögen diese solchen Sportförderern zugute kommen, die damit gesellschaftliche Verantwortung demonstrieren – und nicht, wie heute üblich, deshalb Fußballclubs, Eporadler und Skiläufer bezahlen, weil das eine sehr wirtschaftliche Methode ist, sich Sendeminuten in der Primetime zu kaufen. Man sollte sich vielleicht auch mal klar machen, dass es die Bandenwerbung in den Stadien nicht gäbe, wenn ihre Auftraggeber nicht genau wüssten, dass sie wahrgenommen wird, also: durch das Rollieren der Bänder zuverlässig vom Spiel ablenkt. Was sind denn das für Sportvereine, die sich von Leuten bestechen lassen, die eigentlich gar nicht wollen, dass das Publikum auf die Sportler schaut?

Wenn Spiele der Bundesliga oder Champions League dann nicht mehr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen, ist das keine Katastrophe. Schlimmstenfalls verdienen die Fußballstars ein paar Millionen weniger, wenn nicht mehr so viele Sender um die Rechte bieten.

Und was das Radio angeht: Das schalte ich kaum noch ein, weil es als Begleitmedium nicht mehr funktioniert. Auf anspruchsvolle Programme wie Bayern 2 muss man sich voll konzentrieren, und wenn der Tag nicht bereits vor dem Frühstück versaut sein soll, darf man sich keinesfalls von einem dieser überdrehten Kommerzfunk-Plagiate wecken lassen, die bei einigen schlecht beratenen ARD-Anstalten leider in Mode sind.

Beck, tun Sie was!

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