Funke Medien = Bürokratenladen

Wenn jemand in die Lage kommt, Papierkram für Angehörige zu erledigen, die das selbst nicht mehr können, möchte er nicht auch noch von den Firmen gestresst werden, bei denen er beispielsweise Abonnements zu kündigen hat.

Die Funke-Mediengruppe, kurz WAZ, liefert ein Musterbeispiel für unsägliche Geschäftsprozesse, die schon für den Kunden eine Zumutung sind – und für die Sachwalter ehemaliger Kunden erst recht. Da muss eine langjährige Zeitungsabonnentin (seit über 50 Jahren) ins Pflegeheim, weit abseits des Verbreitungsgebiets, und sie ist nicht mehr gesund genug zum Zeitunglesen. Kein vernünftiger Unternehmer käme da auf die Idee, auf einer Kündigungsfrist zu bestehen. Bei Funke geht das nicht – beziehungsweise erst zum Quartalsende. Und das, obwohl man die Lieferung durchaus aussetzen darf und die Abogebühr für die Zeit der Nichtbelieferung gutgeschrieben bekommt. Warum? Weil es den Callcenter-Mitarbeitern so vorgeschrieben wurde. Analog der Zero-Tolerance-Politik des früheren New Yorker Bürgermeisters Rudy Giuliani herrscht in Essen Null Kulanz, Null Flexibilität und Null Gesunder Menschenverstand, nur stures Vorschriftsdenken, das als Beamtenmentalität zu bezeichnen eine Beleidigung eines jeden anständigen Beamten wäre.

Warum wurde so ein Quatsch überhaupt vorgeschrieben? Die Gründe sind so unerfindlich, dass die diese Vorschriften exekutierenden Mitarbeiter sie selbst nicht erklären können.

Das Bestehen auf Vertragserfüllung bringt dem Verlag keinen Cent an Mehreinnahmen, denn der durch die künstlich verzögerte Rückerstattung zu erwirtschaftende Zinsgewinn kann bei den heutigen Zinssätzen nicht einmal mehr den betriebsblindesten Obererbsenzähler zu so einer Regelung verleiten.

Die Sache nicht sofort abzuschließen, hat ausschließlich Nachteile: zum einen für den Angehörigen, der Omas Konto gerne am neuen Wohnort führen und deshalb die alte Bankverbindung kappen würde – er muss damit entweder warten oder den Funkes eine Kontoänderung mitteilen; zum anderen auch dem Verlag, dem das Arbeit und zusätzliche Kosten beschert.

Ja, und was wäre, wenn Oma stirbt, während das Abo noch läuft? Dann verlangt Funke eine Kopie vom Totenschein. Einfach nur sterben langt nicht, damit einen dieser Verlag aus dem Vertrag lässt.

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