Das kann nur ein Scherz sein, Foodwatch

Kaum lobt man mal Foodwatch (kürzlich auf Twitter), schon bereut man es wieder. Da gräbt der Verein doch anlässlich der neuen Lebensmittel-Kennzeichnungsvorschriften, die „nur ein Scherz“ sein könnten, wieder die zu Recht gefloppte Ampel-Idee aus.

Nein, die Leute sollen schon lesen, was sie essen. Was nützt es, wenn auf mit Nutrasweet gesüßter Cola eine grüne Zuckerampel prangt? Das mag gegen Karies helfen, aber nicht gegen Fehlernährung im allgemeinen und Adipositas im besonderen. Ampel heißt: Irgendeine Behörde entscheidet, was gut für mich ist, indem sie einen Grenzwert festlegt, wieviel Prozent Zucker, Fett oder Salz ein Produkt enthalten darf, um noch Grün oder Gelb zu bekommen. Das Prinzip funktioniert aber schon bei Proteinen nicht mehr. Man möchte vielleicht eine eiweißreichere Kost, dann hieße aber grün viel und rot wenig. Das ergibt keinen Sinn, weil das kleine Bisschen Eiweiß immer noch das Beste an einem süßfetten Snack wäre. Schon gar nicht ließe sich abbilden, dass Proteine nicht gleich Proteine sind: Quark, Eier und Schweinebraten kann man nun wirklich nicht gleichsetzen.

Was mit einer Ampelregelung käme, kann man sich leicht ausmalen, wenn man gesehen hat, wie derzeit der Laktoseundglutenfreiwahnsinn um sich greift. Sogar bei Schinken und veganer Gemüsepaste, die beide von Haus aus weder Milchzucker noch Weizenbestandteile enthalten, wird inzwischen diese nicht erwähnenswerte Eigenschaft beworben. Ein Signal auf der Packung, das suggeriert, man kaufe etwas Gesundheitsförderndes, scheint demnach auf einkaufendes Dummvolk zu wirken. Man weiß nicht, was Gluten überhaupt ist, will aber auf Nr. sicher gehen. Daher wäre eine Fett-Ampel nur Verkaufsförderung für Halbfettmargarine (gelb) statt Butter (rot) oder für nach allen Regeln der lebensmittelchemischen Kunst stabilisierte weiße Schaumcreme aus der Sprühdose (grün) statt Schlagsahne (gelb). Natürlich käme es noch darauf an, welche Bestandteile bei welchen Lebensmitteln zwangsgeampelt würden und bei welchen eine Kennzeichnung fakultativ oder gar untersagt wäre. Die Industrie könnte sonst beispielsweise auf Marmeladenetiketten eine grüne Salz- sowie Fettampel drucken, um der abschreckend roten, aber nutzlosen Zuckerampel etwas von ihrer Bedrohlichkeit zu nehmen.

Selbst wenn man annimmt, dass sich renommierte Markenhersteller für solche Mätzchen dann doch zu schade wären, bleibt das Problem, dass Ampeln nur die Denkfaulen ansprechen würden: Wer sich wirklich bewusst ernähren will, muss lesen, was drin ist. Wer nach der Ampel kauft, spart sich das Lesen der Details – und wird damit ein bequemes Opfer der Marketingfritzen, die von den Lebensmittelchemikern verlangen werden, halt irgendwelche Produkte ohne „Rot“ zu designen.

 

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6 Antworten auf „Das kann nur ein Scherz sein, Foodwatch“

  1. Das mit dem Gluten ist nicht ganz so trivial, weil es für Betroffene Gift ist und Mehl/Stärke halt bei uns in alle möglichen Sachen reingemischt wird. Bei der Gemüsepaste kann das durchaus passieren, beim Schinken eher nicht, bei der Fleischwurst dagegen schon wieder, da wird ja eh‘ alles reingerührt, was weg muß…

    Die Ampel mag zu vereinfachend sein, aber was in Fertigprodukten so alles drin ist, ist schon extrem…

    Z.B. Müsli. Enthält Haferflocken, nicht?

    Nein, meist sind es Weizenflocken, weil billiger…die sind aber nun gerade nicht gesund…

    1. Zöliakiepatienten müssen aufpassen, keine Frage. Das ist ein Prozent der Bevölkerung. Denen hilft aber keine Ampel, sie müssen die Zutatenliste studieren. Ich vertrage zum Beispiel keine Haselnüsse und kein Glutamat, deshalb passe ich auch auf. Mein Kritikpunkt und auch Heikes ist hingegen die Hypochondrie und Hysterie: Es ist ja fast trendy geworden, sich über eine eingebildete Lebensmittelunverträglichkeit in Szene zu setzen. Gesunde Menschen suchen die Aufmerksamkeit, die echten Patienten zuteil wird.

      1. Klar, das allerdings hat dann nix mit Foodwatch zu tun. Und führt dazu, daß echte Betroffene nicht für voll genommen wurden. Andererseits, wenn die abgesetzten Mengen steigen, werden die Sachen ev. billiger.

        Wobei niemand freiwillig Natreen-Krams ißt, da gabs den Effekt nie, dazu schmeckt das viel zu scheußlich…spricht dann fast für die gestiegene Qualität der glutenfreien Sachen, wenn die inzwischen auch von Leuten gegessen werden, die das nicht müssen.

        Wobei immer noch viel zu viel Dihydrogenmonoxid in selbst edelsten Tafelwassern ist!

      2. Ja, dieses Teufelszeug gehört endlich verboten. Man weiß ja, wie viele Menschen dadurch jedes Jahr ums Leben gekommen. Die meisten sind übrigens, wie ich hörte, Nichtschwimmer.

  2. Das spricht mir so aus der Seele.

    Kürzlich beim Metzger meines Vertrauens (der auf zusatzfreie Erzeugnisse aller Art, strikt regional und öko/bio setzt):

    Kundin: »Also für meine Tochter bräuchte ich glutenfreie Sachen .. und für meinen Sohn laktosefrei. Haben Sie eigentlich auch vegetarische Tofu-Wurst? Ich bin nämlich strikte Vegetarierin. Und ist das auch alles ohne Phosphat? Das vertrag ich nämlich nicht…..«

    Ein Wahnsinn, in der Tat.

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