Olympus spart am falschen Ende – und blamiert sich

Der japanische Hersteller Olympus baut eigentlich ganz tolle Kameras. Aber die Verarbeitungsqualität passt, wie ich jetzt lernen musste, leider nicht zum Anspruch und Image. Alles deutet auf geplante Obsoleszenz.

Meine spiegellose OM-D EM-1 Mark II, Baujahr 2018, kann technisch viel mehr, als ich ausnutzen kann. Doch jetzt ging das billigste, kleinste Teil kaputt, das überhaupt dran ist – der Hebel, mit dem man das Batteriefach entriegelt. Es handelt sich – so eindeutig wie nur was – um ein konstruktionsbedingtes Problem. Das Teil ist für normale Beanspruchung einer (semi)professionellen Kamera viel zu schwach ausgelegt. Doch leider hat sich das erst nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistungsfrist erwiesen. Der eigentliche Batteriefachdeckel ist noch völlig intakt. Nur lässt sich der herausgefallene Hebel nicht mehr hineindrücken. Die überaus windigen Häkchen, mit denen der Hebel in die Drehmechanik der Entriegelung greift, sind abgenutzt – nach sicherlich weniger als 100 Batteriewechseln. Wer sich ein bisschen auskennt, weiß, dass das Teil bei einem halbwegs ordentlichen Skaleneffekt in der Produktion vielleicht einen Wert von 2 Cent hat. Man könnte es einfach in die Batterieklappe einsetzen, kann es aber nicht einzeln kaufen. Nein, man muss den gesamten Deckel auswechseln, ungefähr so, als müsste man bei einem Fahrrad das gesamte Hinterrad tauschen, weil das Ventil des Reifens kaputt ist. Das kostet dann 19,90 Euro – natürlich gibt es nicht einmal die unter ehrbaren Kaufleuten übliche Mehrwertsteuergutschrift – plus 4,99 Euro Versand.

Dafür bekommt man dann das Teil, für das ein gewöhnlicher Standardbrief (Riegel) oder ein Polsterumschlag genügt hätte, eine Schachtel, die 270-mal so voluminös ist wie das gelieferte und mehr als 6200-mal so groß wie das kaputte Teil. Selbst bei bestwilliger Betrachtung (kleinster Polsterumschlag) wird also das Zigfache an Laderaum beim Lieferdienst verschwendet, um einen Hohlraum – also Luft – durch die Republik zu transportieren.

Als wäre das nicht peinlich genug für die klima-unbewussten Beutelschneider von Olympus, stellte sich heraus, dass es gar nicht mehr für alle Modelle der OM-D EM-Baureihe überhaupt noch Ersatz-Batteriefachdeckel gibt. Wer also ein gut erhaltenes Zweitgehäuse auf dem Second-hand-Markt erwirbt, muss höllisch aufpassen, dass dem schwächsten Glied an seiner Kamera nichts passiert, denn mit offenem Batteriefach hat man keinen Spaß am Fotografieren. Und ich lebe fortan in der Angst, dass mir das Gleiche in zwei, drei Jahren noch mal passiert. Aber soll ich mir deshalb einen Vorrat an überteuerten Deckeln zulegen?

Noch eine Peinlichkeit: Das nächstbilligere Modell hat – an einem anders geformten Deckel – genau den gleichen Riegel. Dieser Deckel kostet nur ein Drittel von dem, den ich bestellen musste. Traute ich mir zu, den Riegel zerstörungsfrei aus der Halterung zu hebeln, hätte ich den bestellt.

Kurz gesagt: Man bemerkt die Absichten und ist verstimmt. Vielleicht mag sich Olympus ja dazu mal äußern. Die Dame an der Hotline kam jedenfalls nicht auf die Idee – oder hatte nicht die Befugnis – den Schaden per Kulanz zu regeln.

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2 Antworten auf „Olympus spart am falschen Ende – und blamiert sich“

  1. Da hast du noch ein besseres Modell als ich.

    Da Olympus die Kamerasparte verkauft, kann das zukünftig tatsächlich ein echtes problem werden. Ob der Käufer sich dann auch um die alten Modelle kümmert, weiß man ja heute nicht…

    1. Oh, die verkaufen jetzt doch? Das hatte ich noch nicht mitbekommen. Verluste hatten sie damit ja schon länger gemacht. Wer kauft so einen Laden denn? Das war ja nur ein Aushängeschild für die Marke, aber wie jemand damit nennenswerte Gewinne machen will, ohne vorher massiv zu investieren, frage ich mich schon.

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