SZ-Redakteur vergrößert Sony-Schaden

Wirtschaftsjournalisten sollten Taschenrechner und Excel-Tabellen beherrschen. Das allein genügt aber nicht. Sie sollten auch wissen, wann man welche Daten wie eintippt. Bei Sony haben Hacker Daten von 77 Millionen Kunden erbeutet. Ein IT-Sicherheitsexperte mit dem schönen Namen Larry Ponemon hatte kürzlich in anderem Zusammenhang gesagt, der durchschnittliche Schaden pro kompromittierten Nutzer-Account betrage 318 Dollar (also 220 Euro). In der SZ wendet der Redakteur daher einfach eine Grundrechenart an, die Plutimikation:

„Im schlimmsten Fall wären das fast 17 Milliarden Euro.“

Aus dem Seite-1-Beitrag über den Datendiebstahl bei Sony

Dieser schlimmste Fall ist schon deshalb ausgeschlossen, weil die Datenräuber logistisch gar nicht in der Lage wären, in der ihnen zur Verfügung stehenden Take-the-money-and-run-Phase auch nur annähernd eine solche Anzahl von Konten zu plündern. Im übrigen könnten es auch nur 20 Dollar statt 220 Euro sein. „SZ-Redakteur vergrößert Sony-Schaden“ weiterlesen

Wer, wenn nicht Wolf Schneider?

„Herr Nannen, ich habe mich sowieso schon gewundert, dass Sie glaubten, diese Schule gründen zu können, ohne zu wissen, ob Sie mich als ihren Leiter gewinnen würden.“

Wolf Schneider zitiert sich in seiner unnachahmlichen Weise selbst – in einem Interview, das Ulrike Simon für die Berliner Zeitung mit ihm geführt hat. Anlass: Schneider, Henri-Nannen-Schüler im wahrsten Sinn des Wortes und langjähriger Leiter der Henri-Nannen-Schule, erhält den „Henri“ für sein Lebenswerk.

Apples Schandtaten wichtiger als die Assads

Die mildernden Umstände zuerst: Der Mantelteil der Osterausgabe der Süddeutschen Zeitung mit Triple-Datum „23./24./25. April 2011“ wurde von der am Karfreitag diensthabenden Stallwache produziert. Der Großteil der Redaktion dürfte frei gehabt haben, denn die Feiertagszuschläge zahlt ein Verleger nicht an mehr Mitarbeiter als unbedingt nötig.

Diejenigen, die Dienst schoben, fanden die bereits am Gründonnerstag eingelaufene Nachricht, dass das iPhone die für Location-based Marketing benötigten GPS-Daten auf fragwürdige Weise speichert, noch aktuell und wichtig genug, um sie den Abonnenten am Karsamstag als Seite-1-Aufmacher vorzusetzen:

„Apple entsetzt weltweit seine Kunden“

Kühne Behauptung auf S. 1 der Oster-SZ. War denn am Karfreitag nichts Empörenderes passiert auf der Welt?

Die vom Freitag stammende Nachricht, dass der syrische Diktator Baschar al-Assad Demonstranten hat massakrieren lassen, schoben sie unter den Bruch (das ist die Stelle, an der die Zeitung gefaltet ist). „Apples Schandtaten wichtiger als die Assads“ weiterlesen

Da kann man fast für die Spackeria Verständnis kriegen

Vor lauter Fukushima und Stress mit meiner eigenen Arbeit ist eine Diskussion wochenlang an mir vorbeigerauscht: ob wir in Deutschland zu viel Datenschutz haben.

Die Meinungsführer des „Datenschutz-ist-sowas-von-Eighties“-Lagers nennen sich – weil von Chaosclub-Sprecherin Constanze Kurz als „Post-Privacy-Spacken“ apostrophiert – „Spackeria“. Trotzig geben Leute wie die … (wie drücke ich das bloß aus, wenn ich nicht „Politologin“ schreiben will?) … Absolventin eines Studiums der Politikwissenschaft Julia Schramm die advocati diaboli.

Liest man dann, was deutsche Beamte unter dem Siegel des Datenschutzes manchmal für Ideen entwickeln, können einem diese Spacken fast sympathisch werden.

Energiewende kostet – na, was wohl? – Geld

Wenn es nur BILD wäre. Aber nein:

„Energiewende kostet Milliarden“

Süddeutsche Zeitung von heute, Aufmacher Seite 1

Bei dieser Schlagzeile musste ich an Karl Mekiska denken. Der war vor gut 30 Jahren Dozent an der Deutschen Journalistenschule – und Nachrichtenchef der SZ. Von ihm habe nicht nur ich, von ihm hat auch der heutige Chefredakteur der SZ gelernt, was eine gute Headline ist. Meki hätte uns seine Zeitung hingehalten und mit seinem bähmischen Akzent die rhetorische Frage gestellt: „Iiist das eine Nachricht?“ Um selbige dann, während wir noch zögerten, den Meister zu kritisieren, höchstpersönlich in der Luft zu zerreißen.

Also, mit Verlaub, lieber Kurt: Ich weiß ja nicht, wer bei Euch gestern Abend Dienst hatte. Habt Ihr wie einst die taz für einen Tag Kai Diekmann rangelassen? „Energiewende kostet – na, was wohl? – Geld“ weiterlesen