Marktforscher müssen nicht nerven

Wer einem Marktforscher Fragen beantwortet, hilft diesem (zumeist kostenlos), seinen Auftrag zu erledigen und seinen Lebenunterhalt zu verdienen.

Ein wenig Respekt darf man also von diesen Leuten erwarten. Respekt, der sich darin äußert, dass man sagt, wer angerufen hat, und nicht nur still eine Nummer im Telefonspeicher hinterlässt.

Dies habe ich gerade im Zuge meines kostenlosen Dienstleistungsprogramms „Unternehmensberatung aus Zielgruppensicht“ einem laut Homepage „inhabergeführten“ Demoskopie-Betrieb aus Hamburg mitgeteilt.

Dessen computerassistiertes Personal (oder sein personalassistierter Computer?) hatte nämlich auf meinem Telefon eine Rufnummer hinterlassen – Folge der Vorschrift, dass man nicht mehr mit verdeckter Nummer Menschen stören oder nerven darf, sondern nur noch mit offener.

Da ich beruflich viel mit Hamburgern zu tun habe (nein, natürlich nicht mit fleischgefüllten Rundstücken, sondern mit den nach ihnen benannten Menschen), denke ich bei einer Hamburger Nummer auf dem Display natürlich nicht an Marktforscher, sondern versuche herauszufinden, wer mich sprechen wollte, aber keine Nachricht hinterließ.

Ein Auftraggeber vielleicht, vom Homeoffice aus?

Leider nein, wieder nur ein Marktforscher. Der dritte binnen fünf Tagen.

Und was sagt das Unternehmen, wenn man zurückruft?

„Unsere Mitarbeiter haben Anweisung, nichts auf Anrufbeantworter zu sprechen.“

Und warum nicht?

„Das dauert so lange.“

Es kostet ihnen zu viel Zeit. Zeit ist Geld. Zeit nimmt man sich nur für den Kunden, sprich: den Auftraggeber der Konsumstudie. Nicht für den Angerufenen. Die Arbeitszeit ihres Personals ist ihnen zu schade, um mich darüber zu informieren, dass ihr PC mich als Interviewkandidaten ausgelost hat.

Mein Vorschlag: Wenn die schon Menschen von Computern antelefonieren lassen, sollen die Computerbediener, falls sich denn nur ein AB meldet, wenigstens ein Knöpfchen drücken, das deren Blechtrottel veranlasst, ein Sprüchlein auf meinem Blechtrottel zu hinterlassen. Dann weiß ich hinterher, dass es gut war, nicht zu Hause zu sein.

Und wenn den Armen das zuviel Stress macht, sollen sie wenigstens die Rückwärtssuche zu dieser Nummer entsperren lassen (seltsam, dass das die Bundesnetzagentur nicht verlangt).

Fürs Protokoll und für Google: Die Nummer lautete 040/6921811.

Der Anschluss gehört der PhoneResearch KG, Bramfelder Straße 121, 22305 Hamburg, Tel: 0 40 / 611 655 – 0, Fax: 0 40 / 611 655 – 55

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