Versteckte Schilder als „Service“ für Bürger

Doch noch ein Nachklapp zur Bürgermeisterwahl: Der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Erich Püttner wird sich zu allererst darum kümmern müssen, dass die Verwaltung wieder lernt, dass sie für die Bürger da ist. Im Rathaus hat sich, wie ich schon gehört hatte und jetzt im Landsberger Tagblatt schwarz auf weiß lesen durfte, eine zynisch-sarkastische Art eingeschlichen. Eine Mitarbeiterin, die ich eigentlich noch als sympathisch in Erinnerung habe,  nennt das Versteckspiel mit den Warntafeln „Vorfahrt geändert“ laut LT einen „Service der Gemeinde“, der die Verkehrsteilnehmer für die Neuregelung „sensibilisieren“ solle.

Was hier abhanden gekommen ist, sind die Sensibilität dafür, wie derart kaltschnäuziges Neusprech auf die Bürger wirkt, und vor allem jegliches Verantwortungsbewusstsein.

– Die Verwaltung hatte keinerlei Plan für die Einführung der 30er-Zone, denn sonst wäre die logische Reihenfolge gewesen, zuerst im Mitteilungsblatt, im Web und über die Presse bekanntzugeben, wann es losgeht und wen es betrifft, um dann, wenn alle informiert sind, das Vorhaben umzusetzen.

– Die Verwaltung nimmt billigend Unfälle in Kauf. Beinaheunfälle sind an der Tagesordnung, und zwar nicht nur deshalb, weil viele nicht in den Kopf kriegen, dass die Theodor-Heuss-Straße an der Verkehrsinsel gegenüber der Firma Zeit vorfahrtsberechtigt ist gegenüber dem Nord-Süd-Verkehr auf der Kolpingstraße. Nur Hasardeure bleiben an der Ecke nicht stehen und lassen den von links Kommenden nicht passieren. Nein, was passiert, ist auch das: Man fährt auf der Kivo- oder Donnersbergstraße zur Kolpingstraße, ein Autofahrer von links bleibt brav stehen, aber sein Hintermann kracht ihm fast in den Kofferraum. Auf quietschende Bremsen und wütendes Gehupe braucht man an der Kolpingstraße nie lange zu warten.

Dieses Paradebeispiel zeigt die „Warnung“ an der Theodor-Heuss-Straße Ecke Ahornring.

– Eine Verwaltung, die vergisst, dass Kaufering nicht nur sehr viele alte Einwohner hat, sondern auch viele alte Autofahrer, die nach Jahrzehnten im Ort nicht von heute auf morgen umlernen, handelt unverantwortlich.

– Noch mal: Die Verwaltung hat es nicht einmal für nötig gehalten, auch nur die Gemeinderäte zu informieren, geschweige denn Tausende von Betroffenen. Die Bürger, so das Signal, sollen gefälligst selbst aufpassen, was wir uns wieder an Verschlimmbesserungen einfallen lassen. Was müssen sie denn auch in Kaufering herumfahren, diese Dödel?

Das muss sich ändern. Der Bürger ist für eine Gemeindeverwaltung der Kunde ihrer Dienstleistungen, nicht ihr Untertan. Entsprechend zu denken, kann man lernen. Ein Tipp: Design Thinking heißt die Methode. Man macht nicht einfach drauflos, sondern überlegt sich, wie die Zielgruppe denkt, wie sie reagiert, wie etwas Neues bei ihr ankommt. Das ist keine Geheimwissenschaft. Eigentlich braucht man nur für einen Moment so zu tun, als sei man selbst der Bürger.

 

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Eine Antwort auf „Versteckte Schilder als „Service“ für Bürger“

  1. Bravo Herr Froitzheim,
    Als Kauferinger Bürger, wohnhaft in „Nord 3“, sozusagen in der „Siedlung“, bin ich Tag täglich mit dieser Fehlentwicklung konfrontiert, ja bedroht.
    Warum kann ein Gemeinderat eine klare Fehlentschiedung nicht einfach rückgängig machen? Wir lernen schließlich nie aus!
    Im übrigen ist es mir als vor 25 Jahren „Zugeroister“ nach Kaufering – bin ja Australier – unverständlich, dass wir hier immer noch von Dorf und Siedlung reden. Wenn wir „Siedler“ für die Dörfler so befremdlich sind, sollten wir uns eventuell doch trennen! Ob ich in Kaufering oder in „Neu-Dorf/Newtown“ wohne, ist mir ja einerlei!
    Alles Gute,
    GC

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