Kron und Lumira: Zwei Kauferinger setzen Menschenleben aufs Spiel

Als ein Ex-Kollege aus Münchner Zeiten jüngst beim Gassigehen die Tanke passierte, musste er einem illegal versammelten Rudel junger Männer ausweichen, die blitzblanke schwäbische Sechszylinder fuhren und vermutlich mit Friseurinnen liiert sowie der irrigen Ansicht waren, Bayerns Ausgangsbeschränkungen gälten nur für weicheierige Almans. Doch nicht sie sind es, die mir Sorgen machen. Sie sind für die Polizei sicht- und greifbar, bekommen also früher oder später einen hoffentlich teuren Denkzettel verpasst. Gefährlicher sind Wortführerinnen der Schwurblerinnen-Szene, Impfhasserinnen und Schamaninnen-Darstellerinnen wie Rolf Kron und „Lumira“ Weidner, mit denen ich leider den Wohnort teile. Sie fördern die Verbreitung des unberechenbaren Corona-Virus SARS CoV-2 durch verantwortungsloses, dummes Geschwätz vor einem Publikum Zehntausender Esoterik-Gläubiger (bisher über 80.000 Seitenaufrufe).

Wer hier öfters vorbeischaut, hat den Namen Rolf Kron bestimmt schon mal gelesen. Das ist der unpromovierte Homöoparzth® aus dem „Dorf“ (dem alten, östlichen Teil Kauferings), der seit Jahren mit längst widerlegten Behauptungen gegen das Impfen agitiert und das Schüren von Angst vor normalen Ärzten und dem nicht-globulistischen Teil der Pharmaindustrie zu seinem Geschäftsmodell gemacht hat. Im Netz ist der Mann auch als „Dr. Kron“ oder „Doktor Rolf“ bekannt, und mir ist noch nicht aufgefallen, dass er das mal richtigstellen würde.

In einer früheren Phase der Covid-19-Pandemie erzählte der Undoktor einem naiven Stichwortgeber, der devot an seinen Lippen hing, selbsternannten Investigativ-Journalisten allerlei alternative Fakten über „Corona“, die exakt so hanebüchen waren, wie er das seinem Ruf als einer der führenden Fanatiker der deutschen Impfboykotteurinnenszene schuldig war. Diese peinliche Simulation eines Interviews, die dem Augenschein nach in der 60er-Jahre-VEB-Wohnmöbel-Abteilung eines Ostalgie-Museums gedreht worden sein könnte, fand man auf Youtube, wenn man „Dr. Kron“ googelte. Nach ein paar Tagen entfernte der Kanalbetreiber den unzutreffenden „Dr.“-Titel klammheimlich, still und leise von der Youtube-Seite. Er hatte seinen Zweck erfüllt, denn Googles Server wussten nun, wohin sie die Fans von „Doktor Kron“ schicken sollten.

Es gibt aber nicht nur ein Gespräch von dieser Sorte. Kurz nach Erlass der bayerischen Allgemeinverfügung hat der Mann nachgelegt und – versehen mit der hochstaplerischen Bauchbinde „Dr. Rolf Kron“ – noch mehr gemeingefährlichen bis menschenverachtenden Unsinn über die Lungenseuche Covid-19 verzapft. Während #FlattenTheCurve weltweit trendet, quasselt er locker über eine angebliche „Seuchenmacherei“ oder auch „Pandemiemacherei“ und macht sich regelrecht darüber lustig, dass dem unschuldigen armen Virus SARS-CoV-2 die Schuld zugeschoben werde für den Tod abwehrgeschwächter Senioren, die aufgrund ihrer Komorbiditäten doch früher oder später auch so gestorben wären.

Krons Einlassungen klingen ein wenig so, als hätte er keinen hippokratischen Eid geschworen, sondern einen darwinistischen. Dass die meisten der Patienten, deren Leichname in Bergamo, Manhattan und anderswo nach ihrem Erstickungstod unter unwürdigsten Umständen weggeschafft werden mussten, ohne die Covid-19-Infektion wahrscheinlich noch leben würden, lässt ihn offenkundig kalt. In seiner schnoddrigen Art spielt er die für letale Verläufe oft ausschlaggebende Krankheit herunter, als handle es sich um eine ordinäre Influenza oder sogar nur einen harmlosen grippalen Infekt.

Um die Ungeheuerlichkeit dessen zu ermessen, was Kron im Internet zum Besten Schlechtesten gibt, braucht man sich nur vorzustellen, eine trocken hustende Infizierte käme mit fiebrigem Kopf in seine Praxis. Würde er sie dementsprechend lässig therapieren, ihr vielleicht feuchte Wickel verordnen oder ein paar Globuli auf die Hand streuen? Falls ja, beginge er einen veritablen ärztlichen Kunstfehler und machte sich nach dem Infektionsschutzgesetz strafbar. Wenn sie deswegen stürbe, käme der ignorante Hausarzt an einer mehrjährigen Gefängnisstrafe ohne Bewährung nicht mehr vorbei. Denn Covid-19 ist eine meldepflichtige Seuche. Es liegt nicht im Ermessen irgendeines rebellischen, selbstgefälligen Provinz-Hausarztes, sich über Entscheidungen des Robert-Koch-Instituts hinwegzusetzen, das den Rang einer Obersten Bundesbehörde hat.

Nun könnte man ihm rein theoretisch zugute halten, er habe vielleicht das Ausmaß und die Tragweite der Pandemie am 16. März noch nicht kapiert gehabt. Doch wenn das der Fall wäre, hätte er dafür gesorgt – sorgen müssen! –, dass dieses unsägliche Sofageplauder schleunigst aus dem Netz verschwindet und durch eine Richtigstellung ersetzt wird.

Umkehrschluss: Er scheint bis heute nicht begriffen zu haben, was los ist, und WILL es wohl auch nicht begreifen, da er sich für schlauer hält als alle Inhaber von Lehrstühlen für Virologie rund um den Globus. Nun ist der Zuckerkügelchen verordnende Hausarzt Kron auch ein ganz spezieller Fall. So beherrscht er es, ohne rot zu werden, normales Leitungswasser in dramatischer Rhetorik zum Gesundheitsrisiko zu stilisieren, aber Masern, Keuchhusten & Coronaviren zu bagatellisieren. Letzteres tut er in seinem Kerngeschäft als Anti-Impf-Missionar, ersteres als nebenberuflicher Promoter des obskuren Wasserfilter-Anbieters truu.

Nun hat Kron zwecks Aufnahme des neuen Youtube-Sofatalks – d.h. ohne triftigen Grund i.S.d.G. –  eine fremde Privatwohnung auf der anderen Lechseite Kauferings betreten. Drehort des Clips war das Wohnzimmer eines Reihenhauses in der Hauswiesenstraße. Wer dort wohnt? Eine gewisse „Lumira“, die mit ihm auf Duzfuß steht und ihm ein paar Stichworte zuraunt.

Hinter dem Künstlernamen verbirgt sich eine in der Esoterik-Szene nicht ganz unbekannte „Heilerin“, „Schamanin“ und Schwurbelbuch-Autorin namens Ludmilla Weidner, deren aus Kasachstan stammende Familie mit deutschen Wurzeln 1990 aus Odessa, also aus der Ukraine, hierher kam. Für auswärtige Leser: Kaufering hat in der Kohl-Zeit viele „Russlanddeutsche“ alias Spätaussiedler aufgenommen, wobei „Russland“ eigentlich immer das falsche Etikett für die ehemalige Sowjetunion war.

Lumiras Herkunft spielt insofern eine Rolle, als sie sie zu Zwecken der Selbstvermarktung selbst gerne herausstellt. So inszeniert sich die frühere Sowjetbürgerin, die auf Deutsch schreibt, explizit als Russin und pflegt auch nach 30 Jahren noch einen so chcharten russischen Akzent, als sei sie nach einem Deutsch-Crashkurs am Moskauer Goethe-Institut soeben hier gelandet. Vielleicht ist das ihre Masche, ihr Markenzeichen. Russland steht bei ihrer paranoiden Zielgruppe ja ähnlich hoch im Kurs wie RT deutsch als Nachrichtenkanal. Das Absurde ist, dass Ludmira ihr Hiersein nur dem Umstand verdankt, dass die deutschstämmigen Kasachen eine von den Sojwetrussen unterdrückte Minderheit waren. Jetzt nutzt die Frau die westlichen Freiheiten zur Verbreitung von Desinformation der gefährlichsten Sorte: Indem sie Kron eine Plattform bietet, gefährdet sie Menschenleben.

Das am meisten Besorgnis Erregende ist das Echo, das sie mit ihrer Masche im Netz findet. Ich halte – ähnlich wie bei Rolf Kron – keineswegs für völlig ausgeschlossen, dass Ludmilla Weidner das, was sie schreibt, sogar selbst glaubt. Vor allem genießt sie das Vertrauen ihrer Youtube-Fans, die eine erschreckende Leichtgläubigkeit an den Tag legen – nachzulesen in unfassbar dämlichen Kommentaren.

Ich bin eigentlich für Datenschutz und gegen Vorratsdatenspeicherung. Im Interesse der Eindämmung der Seuche wäre es aber an der Zeit, dass Polizei und Gesundheitsbehörden die Identität der Menschen ermitteln, die auf solchen gemeingefährlichen Bockmist abfahren, denn sie werden sich sonst an keine Vorschriften halten und sind damit potenzielle Überträger.

Nicht zuletzt: Dass Rolf Kron angesichts derart dreister Missachtung des Standes der Wissenschaft und der ärztlichen Kunst noch praktizieren darf, ist ein Skandal. Das Recht bietet die Möglichkeit, Ärzten die Approbation zu entziehen. Manchmal muss es sein.

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Hier noch ein paar leider notwendige Anmerkungen zu Lumiras „Liste von Ärzten und Professoren die weiterverfolgt werden müssen“:

Dr. Stefan Lanka wird als Virologe bezeichnet, was insofern ein Witz ist, als der studierte Biologe die Existenz von Viren abstreitet. Niemand kann etwas erforschen, das es für ihn nicht gibt. Lanka wird von Impfgegnern gerne als derjenige angeführt, der vor Gericht ebendiese Auffassung – dass es kein Masernvirus gebe – bestätigt bekommen habe. Das ist aber Nonsens. In Wirklichkeit war er verklagt worden, weil er dem Ersten, der ihm EINE wissenschaftliche Arbeit vorlege, die die Existenz des Masernvirus nachweise, 100.000 Euro in Aussicht gestellt hatte; als ihm der Medizinstudent David Bardens unter Missachtung des Kleingedruckten sogar SECHS Papers vorlegte, weigerte sich Lanka zu zahlen. Der BGH gab ihm letztinstanzlich Recht, dass Bardens nicht die formalen Bedingungen der Wette erfüllt habe. Ob es das Virus gibt, war gar nicht Gegenstand des Prozesses. Aber das wollen die Impfgegner, die den Virus nicht wahrhaben wollen, nicht wahrhaben.

Prof. Dr. Karin Mölling (sie wird am Dienstag 77) ist Virologin, allerdings schon seit 2008 emeritiert, also im Ruhestand. Die Pensionärin fiel Mitte März auf durch Interviews und Talkshows, in denen sie sagte, SARS CoV-2 sei kein Killervirus. Die rbb-Welle Radio Eins schrieb hinterher: „Zur Klarstellung: Die radioeins-Redaktion betont, dass die Virologin und emeritierte Professorin und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Universität Zürich, Prof. Dr. Karin Mölling, hier eine Einzelmeinung vertritt. Die Virologin lässt bei ihren Einschätzungen außer Acht, dass mit den beschlossenen Maßnahmen die Zunahme von exponentiell ansteigenden Infektionen verlangsamt werden und insbesondere besonders gefährdete ältere und chronisch kranke Menschen geschützt werden sollen. Das Aufrechnen von Toten bei Unfällen oder anderen Krankheiten mit den Coronatoten erscheint auch angesichts der massiven Tödlichkeitsraten in unseren Nachbarländern zynisch. Sofern das Interview den Eindruck erweckt hat, dass radioeins die Coronakrise verharmlost, möchten wir uns ausdrücklich dafür entschuldigen.“

Prof. Dr. Peter Duesberg (83) ist Virologe, aber man tut ihm nicht Unrecht, wenn man ihn als zerstreuten Professor bezeichnet, der auf seine alten Tage immer wunderlicheres Verhalten an den Tag legte. Er ist als AIDS-Leugner sehr beliebt bei Impfgegnern. Links dazu gibt es in der Wikipedia. Zitat: „Duesbergs Thesen werden von der Wissenschaft abgelehnt, HIV als Ursache von AIDS ist eindeutig gesichert und belegt.“

Dr. med Claus Köhnlein ist irgendeiner von Tausenden niedergelassenen Internisten, Impfgegner und – was AIDS betrifft – Duesbergianer. Er ist durch keinerlei Forschungstätigkeit qualifiziert, hier Aussagen zu tätigen. Wenn ihn Medien wie Russia Today befragen, dann nur, weil er ein Schwurbelbuch namens „Virus-Wahn“ geschrieben hat.

Prof. Dr. Hendrik Streeck ist dieser dauergrinsende Virologe, der außer Drosten und Kekulé so oft im Fernsehen zu sehen ist und manchmal etwas arg vorlaut der Medienmaschinerie liefert, was sie gerne hat. Er ist in dieser Aufstellung der einzige, den man wirklich im Auge behalten sollte.

Dr. Wolfgang Wodarg ist Pensionär und ehemaliger Schiffs- und Amtsarzt. Er hat nicht – wie hier suggeriert – in Vollzeit bzw. über längere Zeit als Lungenfacharzt gearbeitet; Pneumologie war eine von mehreren Zuständigkeiten. „Gesundheitswissenschaftler“ ist ebenfalls bewusste Irreführung. Wodarg hat in der Lehre gearbeitet, nicht in der Forschung.  Er ist auch kein SPD-Politiker mehr, sondern war Gewerkschafter und SPD-MdB. Mit seinen Äußerungen zu Covid-19 hat  er in der Fachwelt – freundlich gesagt – Kopfschütteln ausgelöst.

Prof. em. Sucharit Bhakdi ist tatsächlich Mediziner und Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, aber ebenfalls (siehe „Prof. em.“) emeritiert, und zwar seit 2012. Seine Äußerungen zu Covid-19 sind umstritten.

Dr. med Schiffmann heißt Bodo mit Vornamen und ist deshalb nicht der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, auf den man mit Google stößt, wenn man das Fachgebiet eingibt. Bodo Schiffmann ist Chef einer sogenannten Schwindelambulanz in Sinsheim, also in keiner Weise Spezialist für Coronaviren. Aufgefallen ist er durch eine Online-Petition zur sofortigen Wiederherstellung der bürgerlichen Freiheiten. Man könnte sagen: Er ist unsolidarisch mit seinen Kolleginnen und Kollegen auf den Intensivstationen, die unter der Arbeit zusammenbrächen, wenn die Politik auf den Schwindelexperten hörte. Fachlich kann er zur Thematik nichts beitragen.

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Eine Antwort auf „Kron und Lumira: Zwei Kauferinger setzen Menschenleben aufs Spiel“

  1. Ich staune mit Entsetzen über diese kruden Gedankengänge einer Verschwörungstheorie, die diese weltweite Bedrohung als eine Erfindung der Pharmaindustrie oder der WHO bezeichnet. Die Schäden für alle Staaten der Welt durch Lockdowns werden mindestens 10.000 fach größer sein, als der krankhaft unterstellte Gewinn für einen in der Zukunft zur Verfügung stehenden Impfstoff. Wo ist da der Sinn, die Logik?

    Eben, diese Aussagen sind UNsinn oder besser unverantwortlicher BLÖDsinn. Und Impfen kommt für diese Leute eh nicht in Frage.

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