Professor Seltsams Impfgegner und Quanten-Geistheiler

Teil 2

Sucharit Bhakdi ist eine der prominentesten Stimmen aus dem Lager derer, die den Corona-Virus CoV-SARS 2 herunterspielen. Während er mit seiner Frau Karina Reiß den Bestseller „Corona: Fehlalarm?“ schrieb, ließ er sich zum Vorsitzenden des MWGFD e.V. wählen, der ein wahres Sammelbecken von Persönlichkeiten bildet, die ein verantwortungsloses und riskantes Spiel mit dem Vertrauen der Bürger in Titel wie Professor und Doktor spielen. Im zweiten Teil schauen wir uns an, wer außer den Haupt-Protagonisten noch so alles auf der Mitgliederliste steht.

Weckt der Vereinsname „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie“ falsche Erwartungen? Gehen wir die weiteren Namen auf der Mitgliederliste einfach mal der alphabetischen Reihe nach durch:

Aris Christidis …

… ist weder Mediziner noch Wissenschaftler, sondern Elektroingenieur, Fachhochschulprofessor sowie Gesellschafter einer obskuren Minifirma, die laut ihrer mit einem Homepage-Baukasten zusammengefrickelten Website irgendetwas mit Gutachten zu tun hat, aber auch mit IT-Services wie Datenvernichtung.

Die Klitsche nennt sich hochprätentiös „Gießener Akademische Gesellschaft“ und benutzt die irreführende Web-Domain gagmbh.eu, als sei sie eine GmbH; dabei ist sie eine GA UG (Firmierung laut Handelsregister: Gießener Akademische Unternehmergesellschaft).  Wie nicht wenige Menschen, die Covid-19 nicht wahrhaben wollen, pflegt Christidis ein gestörtes Verhältnis zum deutschen Staat, das er sich in allen ermüdenden Einzelheiten von der Seele schreibt. Er outet sich unter anderem als Kunde („Mitglied“) des „Deutschen Verbandes der Presse-Journalisten“ (DVPJ), was auf eine etwas schräge Selbstwahrnehmung und ein leicht unterentwickeltes Urteilsvermögen hindeutet: Erstens ist Christidis kein Presse-Journalist; zweitens ist der DVPJ kein Verband, sondern eine Aktiengesellschaft, die von naiven Menschen lebt, die unbedingt ein wertloses Plastikkärtchen haben wollen, auf dem „Presseausweis“ steht. Wer sich für die tragikomische Geschichte dieses leidgeplagten Unglücksraben interessiert, deren Haupt-Erzählstrang mit der unbeabsichtigten Zeugung eines Sohns seinen Lauf nahm, findet das zumindest für Viktimologen spannende Epos auf 166 DIN-A4-Seiten von ihm selbst hier ausgebreitet. Wem das nicht reicht, der kann gerne mal nach seiner Frau Andrea (früherer Familienname: Jacob) googlen und interessante Dinge über akademische Titel indischer Provenienz lernen.

Andreas Diemer …

… hat Medizin und Physik studiert, aber was er daraus gemacht hat, ist – um es freundlich auszudrücken – ziemlich befremdlich. Der frühere Hausarzt (Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren) will irgendwann irgendwelche geheimnisvollen „Zusammenhänge zwischen Heilprozess und Quantenphysik“ entdeckt haben, jedenfalls wandte er sich gemeinsam mit seiner Frau Christina, einer Künstlerin mit Diplom in Sozialpädagogik, dem Thema „Quantenheilung“ zu. Die beiden betreiben im Schwarzwaldstädtchen Gernsbach eine so genannte „Akademie Lebenskunst und Gesundheit“ alias akaleku, und nach ihrer Selbstdarstellung im Web ist sie die Heilerin, während er den Hokuspokus „wissenschaftlich“ begleitet, also sich pseudowissenschaftliche Erklärungsfragmente für Geistheilerei, Handauflegen, Schamanismus und derlei Übersinnliches aus den Fingern saugt.

Akaleku oder der Beleg, dass man gleichzeitig mit Quanten schwurbeln und völlig abschreckende Websites bauen kann.

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Professor Seltsam oder wie ich lernte, das Virus zu lieben

Teil 1

Den emeritierten Medizinprofessor Sucharit Bhakdi kannte bis vor einem halben Jahr kaum jemand außerhalb seiner Fachdisziplin. Dann schrieb er mit seiner jungen Ehefrau einen Bestseller, der in Impfgegner-Kreisen Kultstatus erlangt hat. Parallel dazu gründete er mit anderen Protagonisten der deutschen Covid-19-Verharmloser-Szene einen obskuren Verein in Bayern: Die vermeintlichen Einzelgänger, die den Protesten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen einen akademischen Touch zu geben versuchen, sind in Wirklichkeit ein Team.

Screenshot von der Website des Passauer Vereins MWGFD: Der Vorsitzende gibt ein Interview.

Wer sich mit „Corona“ befasst oder allgemein mit Viren und Impfungen, sollte das Kürzel MWGFD kennen. Nicht, weil der Passauer Verein, der sich so abkürzt, irgendetwas Sinnvolles oder Nützliches zum Thema beizutragen hätte, sondern weil die Mitgliederliste der Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie e.V. sehr verräterisch ist. Ja, sie ist ein regelrechtes Who is Who der Youtube-Stars, denen vermeintliche Querdenker, selbsternannte Corona-Rebellen und Jünger des rechtsesoterischen Q-Anon-Kults huldigen. Gründungsvorsitzender dieser „Initiative“ mit dem skurrilen Bandwurmnamen – welcher Mediziner wäre wohl gegen Gesundheit, welcher Wissenschaftler gegen Freiheit? – ist Sucharit Bhakdi. Der 1946 in Washington geborene Sohn eines thailändischen Diplomaten ist Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie; bis zu seiner Emeritierung 2012 leitete er ein Institut der Mainzer Uniklinik. Sein Renommee als Wissenschaftler war untadelig, bis er im März mit steilen Thesen zu Covid-19 an die Öffentlichkeit ging und später gemeinsam mit einer Coautorin namens Karina Reiß ein 118 Seiten dünnes Büchlein mit dem sensationsheischenden Titel „Corona – Fehlalarm?“ verfasste.

Ein Ehepaar schießt schnell

Zur Einordnung der Vorgänge muss man wissen, dass diese Frau Professor Reiß nicht einfach irgendeine Kollegin von ihm ist, die ebenfalls den MWGFD angehört. Bei der Dame handelt sich um seine 28 Jahre jüngere Ehefrau, die noch mitten im Berufsleben steht. Sie befasst sich als Biochemikerin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) mit Entzündungserkrankungen. Dort hinterließ das Buch, das am 20. Juni erschien, viele FachkollegInnen rat-, sprach- und fassungslos. Ein literarischer Schnellschuss zu einem Thema, das längst nicht hinreichend beforscht ist, verstößt schließlich gegen alle guten Sitten des akademischen Betriebs. „Professor Seltsam oder wie ich lernte, das Virus zu lieben“ weiterlesen

Kron löscht nach Rabenvater-Shitstorm Hunderte Facebook-Kommentare

Sein ideologischer Kampf gegen Impfungen führt den Kauferinger Homöopathen Rolf Kron immer tiefer ins Milieu der Reichsflaggen schwenkenden Sektierer und Verschwörungsmystiker. Bei der jüngsten Demo in Berlin provozierte er vor laufender Kamera des russischen Staatsfernsehens RT mehrfach einen Polizisten – und trug dabei seinen kleinen Sohn auf den Schultern. Dass das verängstigte Kind in Tränen ausbrach, störte die Inszenierung, aber nicht den Vater.

Gelöschter Post: Ein Wort, 887 Kommentare.

„Siegessäule.“ Nur ein einziges Wort stand in dem Eintrag auf Rolf Krons Facebook-Seite. Darunter 887 Kommentare. Das Verhältnis zwischen dem vermeintlichen Gegenstand der Kommentare und deren Umfang hätte die Kriterien für einen Eintrag ins Guinness Book of Records erfüllt. Auch der Anteil der Kommentatoren, die sich empörten, war rekordverdächtig. Zuerst sperrte Kron die Kommentarfunktion – und ging mit keinem Wort auf die Kritik ein. Dann löschte er den Beitrag mitsamt den Kommentaren und ersetzte ihn durch den Link zu einem Video, in dem er seine Sicht der Dinge vorträgt.

Worum ging es? Vordergründig um „Corona“ und die unantastbare Freiheit, seine Mitmenschen mit Covid-19 anstecken zu dürfen. „Kron löscht nach Rabenvater-Shitstorm Hunderte Facebook-Kommentare“ weiterlesen

Halbwahrheiten und Lügen, Levana-Style

Spendensammlung für den nicht gemeinnützigen Nichtverein Levana; vorne rechts der Handzettel mit Desimpformationen

Auf einem Handzettel im typischen knalligen Impfgegner-Orange verteilen die Levana-Helfer 15 „Gründe, die gegen eine Masern-Impfpflicht sprechen“. Diese gilt nicht generell, sondern betrifft nur Schulen, Kindergärten und Betreuungseinrichtungen. Darüber, ob das in dieser Form sein muss, kann man diskutieren, denn Verweigerern droht ein Bußgeld von 2500 Euro. Tatsache ist aber, dass diese Pflicht nie auf die politische Tagesordnung gekommen wäre, wenn die Impfverweigerer nicht massive Propaganda gegen das Impfen machen würden. Es reicht, wenn 95 Prozent der Bevölkerung gegen Masern immun sind, doch Krons „Bewegung“, die aus der Ablehnung des Impfens eine Ideologie gemacht hat, tut alles, um die Quote nach unten zu agitieren. Kron ist offenbar ein Prophet, der hart dafür kämpft, dass sich seine Prophezeiung selbst erfüllt.

Hier die 15 Behauptungen im Faktencheck:

    1. In Deutschland gibt es keine ansteigenden Masernfallzahlen.
      Das stimmt, doch der Grund liegt darin, dass die allermeisten Eltern noch so vernünftig sind, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen. Bedenklich ist, das gerade in Waldorfschulen viele Eltern Impfungen ablehnen. Und wo treffen sich die Landsberger Mitstreiter von Kron inzwischen? Richtig, in der „Freien“ Waldorfschule.
    2. Die Menschen sind nicht impfmüde.
      Das stimmt insofern, als die Eltern, die ihre Kindern nicht impfen lassen, das nicht aus Nachlässigkeit tun, sondern vorsätzlich. Die wenigsten tun es, weil es einen medizinischen Grund dafür gibt, sondern weil jemand sie gezielt verunsichert hat und/oder weil sie sich darauf verlassen, dass die anderen schon genug impfen, um eine Herdenimmunität zu erhalten. Manche tun es aus aus Dummheit und schicken ihre Kinder bewusst auf Masernparties, damit sie sich anstecken. Das ist keine Müdigkeit, sondern vorsätzliche Körperverletzung an Schutzbefohlenen.
    3. Es gibt keinen Masern-Einzelimpfstoff.
      Das stimmt für Deutschland, ist im Kontext aber als Ausrede zu erkennen. In der Schweiz ist ein Einzelimpfstoff noch zu haben, und es wäre wünschenswert, es gäbe ihn auch hier, um den Impfgegnern diese Ausrede zu nehmen.
    4. Impfen ist Körperverletzung
      So, wie sie da steht, ist diese Aussage kompletter Blödsinn. „Halbwahrheiten und Lügen, Levana-Style“ weiterlesen

Was läuft hinter den Kulissen von Levana?

Vier Versammlungen zur gleichen Zeit in einem Umkreis von einem Kilometer – und keinen interessiert’s. Das ist die Bilanz des gescheiterten Versuchs des Kauferinger Anti-Impf-Ideologen Rolf Kron und seiner Getreuen, in Landsberg groß herauszukommen. Dennoch wirft die Art, wie der Mann mit seinem Nichtverein Levana das Demonstrationsrecht überstrapaziert, Fragen auf, die öffentlich diskutiert werden müssen.

Abgesperrt und mit orangefarbenen Abstandsboppeln markiert für ein paar Versprengte: der Landsberger Georg-Hellmair-Platz am 30. Mai.

– Vier scheinbar unabhängig voneinander auftretende Personen hatten für Pfingstsamstag in der Landsberger Innenstadt je eine Versammlung mit scheinbar unterschiedlichen Themen angemeldet.

– Nur drei der vier Versammlungen wurden auf der Website des Landkreises Landsberg angekündigt, die vierte jedoch nicht. Demnach lässt sich schließen, dass sich der offizielle Veranstalter – laut Landsberger Tagblatt ein gewisser Roman Sellherr aus Augsburg – unter Berufung auf den Datenschutz nicht mit einer Veröffentlichung einverstanden erklärt hatte. Aus unerfindlichen Gründen gab das Landratsamt nicht nur das einzige personenbezogene Datum nicht bekannt, nämlich den Namen der anmeldenden Person, sondern informierte die Bürger überhaupt nicht darüber, dass Teile des Georg-Hellmair-Platzes schon wieder abgesperrt werden würden.

– Dies waren die vier Schauplätze, Anmelder und Themen:
1. Hauptplatz
Dr. Heinz Gräber (der Mann heißt in Wahrheit Gärber): „Ist die Corona-Impfung das Allheilmittel, von dem unsere Grundrechte abhängig gemacht werden?“
2. Georg-Hellmair-Platz
Roman Sellherr: (offizielles Thema unbekannt)
3. Rossmarkt
Pythorea alias Petra Sander: „Mahnwache zur Coronakrise – des Kaisers neue Kleider, demokratisch neu interpretiert“
4. Mutterturm
Iris Kaiser: „Für den Erhalt der Grundrechte“

Die Veranstalter gaben sich keinerlei Mühe, zu kaschieren, dass die formal eigenständigen Versammlungen in Wirklichkeit eine einzige darstellten, „Was läuft hinter den Kulissen von Levana?“ weiterlesen