Professor Seltsams Impfgegner und Quanten-Geistheiler

Teil 2

Sucharit Bhakdi ist eine der prominentesten Stimmen aus dem Lager derer, die den Corona-Virus CoV-SARS 2 herunterspielen. Während er mit seiner Frau Karina Reiß den Bestseller „Corona: Fehlalarm?“ schrieb, ließ er sich zum Vorsitzenden des MWGFD e.V. wählen, der ein wahres Sammelbecken von Persönlichkeiten bildet, die ein verantwortungsloses und riskantes Spiel mit dem Vertrauen der Bürger in Titel wie Professor und Doktor spielen. Im zweiten Teil schauen wir uns an, wer außer den Haupt-Protagonisten noch so alles auf der Mitgliederliste steht.

Weckt der Vereinsname „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie“ falsche Erwartungen? Gehen wir die weiteren Namen auf der Mitgliederliste einfach mal der alphabetischen Reihe nach durch:

Aris Christidis …

… ist weder Mediziner noch Wissenschaftler, sondern Elektroingenieur, Fachhochschulprofessor sowie Gesellschafter einer obskuren Minifirma, die laut ihrer mit einem Homepage-Baukasten zusammengefrickelten Website irgendetwas mit Gutachten zu tun hat, aber auch mit IT-Services wie Datenvernichtung.

Die Klitsche nennt sich hochprätentiös „Gießener Akademische Gesellschaft“ und benutzt die irreführende Web-Domain gagmbh.eu, als sei sie eine GmbH; dabei ist sie eine GA UG (Firmierung laut Handelsregister: Gießener Akademische Unternehmergesellschaft).  Wie nicht wenige Menschen, die Covid-19 nicht wahrhaben wollen, pflegt Christidis ein gestörtes Verhältnis zum deutschen Staat, das er sich in allen ermüdenden Einzelheiten von der Seele schreibt. Er outet sich unter anderem als Kunde („Mitglied“) des „Deutschen Verbandes der Presse-Journalisten“ (DVPJ), was auf eine etwas schräge Selbstwahrnehmung und ein leicht unterentwickeltes Urteilsvermögen hindeutet: Erstens ist Christidis kein Presse-Journalist; zweitens ist der DVPJ kein Verband, sondern eine Aktiengesellschaft, die von naiven Menschen lebt, die unbedingt ein wertloses Plastikkärtchen haben wollen, auf dem „Presseausweis“ steht. Wer sich für die tragikomische Geschichte dieses leidgeplagten Unglücksraben interessiert, deren Haupt-Erzählstrang mit der unbeabsichtigten Zeugung eines Sohns seinen Lauf nahm, findet das zumindest für Viktimologen spannende Epos auf 166 DIN-A4-Seiten von ihm selbst hier ausgebreitet. Wem das nicht reicht, der kann gerne mal nach seiner Frau Andrea (früherer Familienname: Jacob) googlen und interessante Dinge über akademische Titel indischer Provenienz lernen.

Andreas Diemer …

… hat Medizin und Physik studiert, aber was er daraus gemacht hat, ist – um es freundlich auszudrücken – ziemlich befremdlich. Der frühere Hausarzt (Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren) will irgendwann irgendwelche geheimnisvollen „Zusammenhänge zwischen Heilprozess und Quantenphysik“ entdeckt haben, jedenfalls wandte er sich gemeinsam mit seiner Frau Christina, einer Künstlerin mit Diplom in Sozialpädagogik, dem Thema „Quantenheilung“ zu. Die beiden betreiben im Schwarzwaldstädtchen Gernsbach eine so genannte „Akademie Lebenskunst und Gesundheit“ alias akaleku, und nach ihrer Selbstdarstellung im Web ist sie die Heilerin, während er den Hokuspokus „wissenschaftlich“ begleitet, also sich pseudowissenschaftliche Erklärungsfragmente für Geistheilerei, Handauflegen, Schamanismus und derlei Übersinnliches aus den Fingern saugt.

Akaleku oder der Beleg, dass man gleichzeitig mit Quanten schwurbeln und völlig abschreckende Websites bauen kann.

Daneben findet Andreas Diemer Zeit, als Pressesprecher jenes Impfgegner-Vereins zu fungieren, der sich den schein-neutralen Namen „Deutsche Arbeitsgemeinschaft für unabhängige Impfaufklärung (DAGIA)“ gegeben hat. Im so genannten Fachbeirat der Tarnkappenorganisation sitzen unter anderem der Kauferinger Homöopath Rolf Kron, gegen den wegen des möglicherweise gegen § 278 StGB verstoßenden Ausstellens von Gefälligkeitsattesten für Maskenverweigerer ermittelt wird, sein Ingolstädter Kollege Dr. med. Heinz Gärber (der im Mai als Strohmann für Kron eine Demo in Landsberg angemeldet hatte), der bekannte Kieler Impfgegner Dr. med. Claus Köhnlein sowie das weiter unten erwähnte MWGFD-Mitglied Harald Walach. Unter den aktuell 315 „Unterstützern“ befinden sich 127 Allgemeinmediziner, 12 praktische Ärzte und 27 Ärzte ohne Qualifikationsangaben, während sich bezeichnenderweise nur sehr wenige Kinder- und/oder Jugendärzte – also die fachlich fürs Impfen primär zuständige Berufsgruppe – hinter die DAGIA stellen, nämlich 16.

Die DAGIA verlinkt allen Ernstes wohlwollend auf den Verein Libertas & Sanitas. Dessen Vorstandsmitglied Jürgen Fridrich ist Autor einer Fibel mit dem amüsanten Titel „Impfen mit den Augen des Herzens betrachtet – Tatsachen statt Expertenmeinungen“.

Richtig gelesen: Der Medizinlaie meint, er kenne die Tatsachen, während die Fachleute lediglich Meinungen hätten. Die DAGIA empfiehlt zudem Web-Angebote des fanatischen Profi-Impfgegners und Medizinlaien Hans Tolzin („Impf-Report“), seiner Friedberger Mitstreiterin Angelika Müller („EFI – Eltern für Impfaufklärung“, „Initiative freie Impfentscheidung“) sowie der eng mit der EFI verbandelten, Anthroposophie-nahen „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“.

Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, was Andreas und Christina Diemer – Eigenbetitelung: „Gesundheitscoach SKE (Selbstheilung, Kreativität, energetische Medizin)“ – unter „Quantum Healing“ verstehen, findet hier Näheres über die Künste der yogischen Flieger, äh, Quantenspringer. Vorsicht, nichts für Menschen mit Schwurbel-Unverträglichkeit und schwachem Zwerchfell!

Daniela Folkinger …

… Gründungsmitglied und Schriftführerin der MWGFD e.V., lebt in Thurmansbang. Die Fremdsprachenkorrespondentin arbeitet in Teilzeit an der Pflegeakademie Grafenau – als Englischlehrerin. Gemeinsam mit ihrem Mann, der im Netz Spuren als Mobilfunk-Vertragsvermittler hinterlassen hat, offeriert sie in Eging am See Produkte aus dem angeblich gesundheitsförderndem Holz der Zirbelkiefer – von allerlei Schnickschnack bis zum Doppelbett. Allerdings läuft der Laden „Da-Fo Energy“ (wie „Da-niela Fo-lkinger“ und „Energetisierung“) wohl schlecht, denn er hat pro Woche nur 17 Stunden auf. Außerdem vermarktet die „Psychologische Beraterin“ (sich so zu nennen, ist nicht strafbar, selbst wenn damit eine nicht vorhandene Qualifikation suggeriert wird) in Lizenz das amerikanische MeditationskonzeptTheta Healing“.

Dass Doktor Weikl großzügig darüber hinwegsieht, dass Folkinger die Mitgliedschaftskriterien nicht erfüllt, dürfte mit zwei Dingen zu tun haben: Erstens ist sie eine von Passaus aktivsten Corona-„Rebellinnen“, zweitens kennt man einander gut. Mit Weikls Tochter Julia und der stadtbekannten Kokosblütenzucker-Händlerin Vivien Vogt hat Folkinger einen zweiten Verein namens „Für die Freiheit 2020“ gestartet, der im Gegensatz zu den sich elitär gerierenden MWGFD fürs breite Volk gedacht ist und bereits einen Fanartikel-Shop betreibt.

Wer dazugehören will, muss kaufen: Merch von „Für die Freiheit 2020“. Was ist eigentlich mit 2021?

Wie eng die Vereine von Weikl junior und senior miteinander verbandelt sind, erkennt man daran, dass Vogt schon Video-Interviews mit den drei MWGFD-Größen Sucharit Bhakdi, Ronny Weikl und Stefan Homburg geführt hat. Die Passauer „Freiheitsdemos“ sind nicht ohne: Auf einer hat Vogt unlängt den Passauer Reporter Hubert Denk bei der Arbeit behindert und ihn sogar vor laufender Kamera wutschnaubend als „Abschaum“ beschimpft.

Vivien Vogt erträgt keine freie Presse.

Am Mischpult wurde wiederholt Martin Gabling gesichtet, ehemals Vorsitzender der niederbayerischen NPD – ein Mann, den man im weitesten Sinne der Gesundheitsbranche zurechnen könnte. Er gilt als Verfechter der „Germanischen Neuen Medizin“ des Scharlatans Ryke Geerd Hamer.

„Für die Freiheit“ am Mischpult: Ex-NPD-Vorsitzender Martin Gabling mit Weikl-Mitstreitern Folkinger und Vogt (Quelle: Infoticker Passau)

Martin Haditsch …

… aus dem niederösterreichischen Leonding arbeitet als „Gastarbeiter“ in Hannover, wo er ein medizinisches Labor leitet. Er trägt zwei Doktortitel (med. und phil.) und ist als Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie eines der wenigen Mitglieder mit einschlägiger Fachkenntnis.

Haditsch trat bisher allerdings eher im Kontext von Tropenkrankheiten in Erscheinung, die von Mücken und Zecken übertragen werden, ist also nicht gerade ein Spezialist für Corona-Viren. In seinen Videos präsentiert sich der Mann (der als „Professor“ auftritt, aber derzeit weder in Österreich noch an der MHH eine Professur innehat) in staatstragender Manier als braver Europäer, dem die politische Rechte Sorgen macht. Seine aufrechte demokratische Haltung hindert ihn jedoch nicht daran, Gerüchte zu Corona ungeprüft weiterzuverbreiten. So behauptet er mit sorgenvoller Miene, infolge von Covid-19 sei die Suizidrate „nicht nur in Berlin, in ganz Deutschland“ um 62 Prozent gestiegen.

Man muss kein FPÖ-Freund sein, um als Österreicher auf der falschen Spur zu sein: Martin Haditsch in einer Facebook-Gruppe zum Thema „Neue Weltordnung“

Tatsächlich liegen aber noch nicht einmal für 2019 amtliche Daten vor, geschweige denn für 2020. Haditsch behauptet demnach etwas, das er überhaupt nicht wissen kann. Anekdotische Berichte aus verschiedenen Regionen Deutschlands zeigen übrigens keine derartige Tendenz, im Gegenteil: Neben vereinzelten Befürchtungen, es könne schlimmer werden, gibt es sogar Meldungen über rückläufige Selbstmordzahlen. So ist es auch in seiner österreichischen Heimat, wo auf eine parlamentarische Anfrage hin die Anzahl versuchter und vollendeter Suizide in den Monaten Jänner (Januar) bis Mai veröffentlicht wurden: Die Daten weichen je nach Bundesland teils nach oben, teils nach unten ab, bewegen sich aber innerhalb des üblichen Rahmens.

Nachtrag 1. Oktober: Quelle für die 62 Prozent dürfte eine Chart der „Corona-Initiative Deutscher Mittelstand“ (CIMD) sein, die der Versicherungsmakler Moritz Graf Brühl und der IT-Unternehmer Wolfgang Romberg im Frühjahr gegründet hatten. Basis ist eine Einsatzstatistik der Berliner Feuerwehr, die nichts mit tatsächlichen Suiziden zu tun hat, sondern mit Einsatzcodes, die beim Eingang eines Notrufs vergeben werden. Die Kollegen von Correctiv haben dies am 23. Juni erklärt, drei Wochen bevor das Haditsch-Video auf Facebook auftauchte. Die 62 Prozent bezogen sich wiederum nur auf einen einzigen Code, nämlich den für Einsätze aufgrund eines Verdachts auf Einnahme einer Medikamentenüberdosis. Dieser wurde im Zeitraum März/April 2020 42 mal vergeben, im Vorjahreszeitraum 26 mal. Die jeweiligen Fallzahlen sind so niedrig, dass eine Bewertung ohne Kenntnis der Vergleichszahlen über einen längeren Zeitraum nicht seriös möglich ist. Schlimmer ist aber, dass die CIMD einfach die Berliner Zahlen für jede Einsatzart linear auf die Bundesrepublik extrapoliert haben, was vollkommen unseriös und unwissenschaftlich ist. Dies ist der Chart leicht zu entnehmen, und falls sie Haditsch vorlag, hätte ihm dies auffallen müssen. 

Die Unternehmer-Initiative CIMD hat einfach unbestätigte Einsatzcodes der Berliner Feuerwehr hergenommen, um eine Suizidzahl für ganz Deutschland zu extrapolieren. Da die Charts auf mwgfd.de verlinkt waren, müsste Haditsch sie gesehen haben.

Stefan W. Hockertz …

… gehört wie Bhakdi und Homburg zu den Lieblingen der Covid-19-Leugner. Der Professor wird oft als ehemaliger Leiter des Instituts für Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf vorgestellt. Dort hat der frühere Fraunhofer-Forscher aber lediglich von 2003 bis 2004 ein Gastspiel gegeben. Er ist kein Dr. med., sondern ein Dr. rer. nat. und arbeitet seit 16 Jahren nicht mehr in Forschung und Lehre, sondern nur noch als Unternehmensberater. Mit seiner  bereits 1994 gegründeten Firma tpi consult GmbH will Hockertz ein „Bindeglied zwischen Life Science und Finanzwelt“ sein, das „beide Sprachen“ spreche. Als seine wesentliche Zielgruppe nennt er „technologieorientierte Wachstumsunternehmen der Pharma-, Chemie-, Lebensmittel- und Kosmetikbranche“. Seit 2015 sitzt tpi in Bollschweil im idyllischen Hexental bei Freiburg, also unweit des als Chemie- und Pharma-Hotspot bekannten Dreiländerecks. Zu seinen Kompetenzen zählt der Unternehmer u.a. die Bewertung der Businesspläne von Startups seiner Branchen. Hockertz passt also in keiner Weise ins Raster der MWGFD-Mitgliedschaftskriterien. Ließe er sich über mögliche Medikamente oder Impfstoffe gegen Covid-19 aus, könnte er vielleicht noch Sinnvolles beitragen. Er macht sich aber lieber mit Leuten wie dem Unternehmer und Aussteiger aus dem Arztberuf Heiko Schöning (siehe unten) in einem so genannten Außerparlamentarischen Corona-Untersuchungsausschuss (ACU) wichtig.

Krude Mischung aus APO und offiziösem Gebaren: Der „Außerparlamentarische Untersuchungsausschuss„, ein Privatgremium von eigenen Gnaden, ist eng mit den MWGFD verfilzt.

Werner Müller …

… ist bei medizinischen Themen so sehr Laie wie sein Kollege und Vereinskamerad Stefan Homburg, denn er hat an der Hochschule Mainz eine Professur für Rechnungswesen, Controlling und Steuern inne. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind von dem einstmals friedensbewegten Gewerkschafter nicht zu erwarten, politische Vorstöße aber sehr wohl. So war Müller neben den Herren Bhakdi, Hockertz, Homburg und Walach einer jener fünf Professoren, die am 28. April gemeinsam eine Anfrage zur Verhältnismäßigkeit der Corona-Maßnahmen an die Bundestagsfraktionen gesandt hatten.

Verhöhnung der Corona-Toten: Homepage von Prof. Müller

Es scheint Müller nicht zu genieren, dass ausgerechnet die AfD-Fraktion die Vorlage aufgriff und am 11. Mai als Kleine Anfrage an die Bundesregierung richtete. In seinem rosinenpickerischen und teils polemischen Blog brüstet er sich damit, einer dieser fünf Profs gewesen zu sein, und stellt die lose Gruppe als Vorläuferin der MWGFD dar.

Diese Anfrage mochten sich übrigens die Abgeordneten Chrupalla, Gauland, Storch und Weidel offensichtlich nicht zu eigen machen.

Cornelia Reichl …

… ist Gründungsmitglied und Kassenprüferin der MWGFD. Die Rudolf-Steiner-Jüngerin (Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft) arbeitet als Heilpraktikerin in Passau, ist also in einem Beruf tätig, den Ronny Weikl ausdrücklich einbinden wollte.

Franz Ruppert …

… ist Professor für Psychologie an der Katholischen Stiftungshochschule München und Psychotraumatologe. Verhaltensoriginell an ihm ist, dass er bereits Mitte März, als Ministerpräsident Markus Söder gerade erst Ausgangsbeschränkungen für Bayern angeordnet hatte, coram publico von einer durch den „Corona-Pandemie-Wahn“ traumatisierten Gesellschaft fantasierte.

Ruppert war ein Frühstarter – und hörte einfach nicht mehr auf, immer Neues hinzuzufügen, löschte aber nicht die Dinge, über die die Zeit hinweggegangen war.

Ende März – just zu der Zeit, als die Seuche in Italien und Spanien täglich Hunderte von Menschen tötete – stellte sich Ruppert dumm: „Die offizielle Devise scheint zu sein: Man weiß zwar nichts Genaues über dieses neuartige SARS-CoV-2 und ist wohl erst hinterher schlauer, wie gefährlich dieses Virus wirklich ist. Aber wir gehen jetzt einmal einfach vom worst-case-Szenario aus und rufen vorsorglich die Pandemie aus. Wir legen jetzt schon einmal alles lahm, nach dem Motto: Wir brennen unser Haus ab, weil da könnte ja bald eine Läuseplage hochkommen. Vor lauter Todesangst bringe ich mich am besten gleich selbst um.“

Was geht wohl im Kopf eines solchen Menschen vor, dass er auf so absurde Vergleiche kommt? Das hier, wie er in einem E-Book selbst offenbart:

Anstrengend zu lesen: Rupperts Wahnsinnswerk zu Corona

Gestern (31.3.) machte ich mittels meiner Anliegenmethode eine online-Selbstbegegnung zum Thema Coronakrise. Mein Anliegen bestand aus zwei Elementen: ICH, SARS-CoV-2. Ich wählte je einen Resonanzgeber für ICH und SARS-CoV-2. ICH erhob sich bald von seinem Stuhl, ging auf mich zu und schaute mich kurz an. Dann nahm er eine Decke, ging zu SARS-CoV-2, der noch immer auf seinem Stuhl saß, dort hustete und schwer atmete, und warf die Decke über ihn. SARS-CoV-2 ließ sich das gefallen und atmete unter der Decke schwer weiter. Der Resonanzgeber für mein ICH kehrte zu mir zurück und stellte sich mir gegenüber und sagte: „Ich bin es müde.“

Aus: Franz Ruppert, Corona-Wahn – Wie Gesundheit und Demokratie weltweit geschädigt werden. Chronik meiner Bewusstwerdung. ISBN 978-3-9822115-0-3

In seinem Blog teilte Ruppert unter anderem Videos von Wolfgang Wodarg, Ken Jebsen und einem bekannten Autor aus der Truther-Szene. Ob das zu einer frommen katholischen Hochschule passt? Der liebe Gott wird viel Gnade für dieses verirrte Schäfchen brauchen.

Fast acht Stunden Vorlesung für 20 Euro: Professor Ruppert verliert seeeeehr viiiieele Worte.

Simone Sammer …

… ist Gründungsmitglied und arbeitet laut MWGFD als medizinische Fachangestellte in Passau. Sie gehört somit zu den „anderen medizinisch tätigen Personen“, die Ronald Weikl außer Ärzten und Wissenschaftlern unbedingt mit dabei haben wollte. (Liebe Passauer, falls sie in seiner Praxis arbeitet, schreibt es bitte ins Kommentarfeld und sagt dazu, ob ich das freischalten oder vertraulich behandeln soll.)

Gertraud Scherz-Willeitner …

… promovierte Internistin, arbeitet als niedergelassene Hausärztin im Ärtzezentrum Pfarrkirchen. Sie bietet Akupunktur, Naturheilverfahren und „ganzheitliche Schmerzbehandlung“ an, ist also Grenzgängerin zwischen „Schul-“ und „Komplementär-“ Medizin. Im Netz ist sie unauffällig, abgesehen davon, dass ihr Name in jedem der unglaublich vielen Online-Arztverzeichnisse zu stehen scheint.

Heiko Schöning …

… aus Lübeck wird von unbedarften Laien gern für einen niedergelassenen Arzt gehalten, denn er ist das aus dem Querdenken-Umfeld bekannte Gesicht der „Ärzte für Aufklärung“. Über diesen kleinen Zirkel schrieben Hamburger Mitglieder des Vereins demokratischer Ärzte und Ärztinnen: „Die Akteure der sogenannten Ärzte für Aufklärung, fünf Hamburger Ärzte, waren auch schon vor der Coronakrise in esoterischen, verschwörungsideologischen oder rechten Netzwerken aktiv. Dr. Heiko Schöning war als 9/11-Truther bei Deutschlands beliebtestem rechten Verschwörungsideologen und Antisemiten Ken Jebsen zu Gast; Dr. Walter Weber will Krebs mit Kraft der Gedanken heilen und Dr. Marc Fiddike erfindet in endlos langen YouTube-Videos so krude und hetzerische Phantasien über Impfzwang und geheime Mächte, dass diese sogar von YouTube gesperrt wurden.“

Schöning 2019 bei KenFM, dem Kanal des schauspielerisch talentierten Youtubers Ken Jebsen, der selbst zum abwegigsten Quatsch ein Gesicht Jokerface Pokerface aufsetzen kann, als nehme er seine Fragen und die Antworten ernst.

Schöning als Arzt zu bezeichnen, ist nicht falsch, aber irreführend, denn er hat nach seiner Zeit als Assistenzarzt eine Laufbahn als Berater und Unternehmer eingeschlagen (einfach mal nach „Heiko Schöning“ und „Höhle der Löwen“ beziehungsweise „Onkocom“ googeln). Zwei von ihm gegründete Firmen sind liquidiert, eine davon von Amtswegen.

Schöning ist zudem die zentrale Figur beim prätentiösen Privattribunal „Außerparlamentarischer Corona Untersuchungsausschuss“ (ACU), einer Aktion seiner „Ärzte für Aufklärung“. Von den MWGFD sind beim ACU aber auch schon die Herren Bhakdi, Haditsch, Ruppert und vor allem Schiffmann aufgetreten. Die c/o-Postadresse dieser NO (Nichtorganisation) ist identisch mit der eines anthroposophischen Gesundheitszentrums in Hamburg, des „Instituts Diogenes“.

Der Mann ohne Bock aufs Arztsein bezeichnete demokratische Wahlen übrigens schon vor Jahren als „Herrschaftstrick“, was ihn aber nicht daran hinderte, sich um ein politisches Mandat zu bewerben. Wovon der 50-Jährige lebt, ist so unklar wie alles an der Selbstdarstellung der von ihm (mit)erfundenen „WIRkraft“, die scheinbar sowohl ein Gesellschaftsspiel als auch ein Wirtschaftsmodell und eine politische Bewegung ist. (Wahrscheinlich ist es ein Tippfehler und es muss WIRRkraft heißen. Der Säzzer)
Nachtrag 7.10.: Zwischenzeitlich gab es eine bei Jimdo gehostete Website mit der Adresse „psycho-onkologe.de“, derzufolge Schöning eine Praxis betrieben hätte, in der er Krebspatienten seine Hilfe angeboten hätte. Die Domain ist zwar noch reserviert, die Homepage aber auf dem Server nicht mehr vorhanden. Was ihn zu solch einer Tätigkeit qualifiziert hätte, ist unklar. 

Stephanie Spitzenberger …

… ist Gründungsmitglied und arbeitet als Krankenschwester in Passau. Sie dürfte zum Freundeskreis Weikls gehören und verhält sich unauffällig. (Sachdienliche Hinweise aus Passau willkommen.)

Harald Walach …

… wird auf der MWGFD-Website vorgestellt als „klinischer Psychologe, Wirtschaftstheoretiker und -historiker, ehemaliger Leiter des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) an der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt an der Oder“. Den Aktivitäten und Aussagen des Professors verdankte das mittlerweile geschlossene IntraG, das von Drittmitteln aus der Homöopathie-Industrie lebte, den Spottnamen „Hogwarts an der Oder“. Die Ghostbusters von Psiram und GWUP sowie mein Kollege Jens Lubbadeh haben Walach nach allen Regeln der Kunst vorgeführt.

Julia Weng …

… aus Deggendorf ist Gründungsmitglied. Sie arbeitet als Hebamme – und vermutlich mit dem Frauenarzt Ronny Weikl zusammen. (Auch hier gilt: Sachdienliche Hinweise sind willkommen.)

Wolfgang Wodarg …

… war einer der ersten vermeintlichen Experten, die sich öffentlich über den Virus SARS-CoV2 ausließen. Der alte Herr, ein Ex-SPD-MdB, ist weder Wissenschaftler noch einschlägiger Facharzt. Er hat zwar während seiner ärztlichen Laufbahn Qualifikationen als Internist, Pneumologe, Sozialmediziner und Arzt für Hygiene und Umweltmedizin erworben. Aber sein Geld verdiente er einst als Amtsarzt und Leiter eines Gesundheitsamts, ergo als Verwaltungsbeamter. In dieser Funktion stellte er den Hochstapler Gerd Postel, einen Postboten, als stellvertretenden Amtsarzt ein. Mit seinem Urteilsvermögen und seiner Menschenkenntnis war es also nicht so arg weit her. Später ging er in die Politik.

Und wozu soll der Verein gut sein?

Dieses wilde Panoptikum an höchst unterschiedlichen Persönlichkeiten bildet also nun den Verein MWGFD. Laut BGB ist ein Verein eigentlich ein auf Dauer angelegter Zusammenschluss von Personen zur Verwirklichung eines gemeinsamen Zwecks, der nach außen als Einheit auftritt. Eine lose Initiative gegen die aktuelle deutsche Seuchenpolitik macht demnach noch keinen Verein aus. Aber was wollen die Mitglieder, was eint sie? Die offiziellen Ziele sind sehr schwammig:

„Kritische Beobachtung von gesellschaftlichen Entwicklungen in Sachen Gesundheit, Freiheit und Demokratie zum bestmöglichen Schutz dieser Werte. Einholen und Verbreitung von Informationen auf Basis von Wissenschaftlichkeit und Evidenz.
Knüpfung eines umfassenden Netzwerkes Gleichgesinnter über das ganze Bundesgebiet und auch international.“

Gleichgesinnte gäbe es – leider Gottes – noch eine ganze Menge mehr. Doch als mitspracheberechtigte Mitglieder scheinen Sucharit Bhakdi, Ronny Weikl & Co. diese nicht haben zu wollen. Der Verein hat bis dato lediglich die hier genannten 21 Mitglieder, und laut Tagesschau sollen es mehr als 25 auch gar nicht werden. Noch rätselhafter ist die finanzielle Seite: Der Verein verlangt keinen Mitgliedsbeitrag und verfügt somit nicht über planbare Einnahmen. Gleichwohl erregte er im Juni damit kurze Aufmerksamkeit, dass er ein ganzseitiges Inserat in der FAZ schalten wollte, welches die Zeitung indes nicht annahm. Die Rede war von einem fünfstelligen Betrag. Also muss es Spender geben, denen so etwas 10.000 Euro oder mehr wert war. Oder spenden Menschen einfach so, so dass reichlich Geld im Topf war? Unterstützer gibt es angeblich rund 14.000, davon 600 aus dem Ausland. Aber was unterstützen sie mit ihrem Geld, wenn sie gar nicht darüber mitentscheiden können, was in einer solchen Anzeige steht? Und wer entscheidet das überhaupt? Der Vorsitzende, der Vorstand oder die Mitgliederversammlung? Wer legt wemgegenüber Rechenschaft über Spenden und deren Verwendung ab? Transparenz sieht anders aus.

Stimmungsmache für kalte Bürgerkrieger?

Das Finanzgebaren des Vereins ist keine Petitesse. Erstens hat das Passauer Finanzamt für Körperschaften den MWGFD – wie es Usus ist, allein aufgrund einer formale Voraussetzungen erfüllenden Satzung auf geduldigem Papier – vorläufig die Gemeinnützigkeit attestiert. Zweitens hatte es die Anzeige in sich, denn sie gipfelte in einer Beschwörung von Artikel 20 GG, also dem inzwischen berühmt-berüchtigten Widerstandsartikel, der den Deutschen das Recht gibt, jedem Widerstand zu leisten, der sich anschickt, die verfassungsmäßige Ordnung zu beseitigen. Gemünzt ist Art. 20 auf Situationen wie die Machtergreifung der Nazis, doch in der illustren Impfgegner-Reichsbürger-Coronaleugner-Szene gilt die Bundesregierung als „Regime“, gegen das Widerstand zu leisten sei.

Verfassungsrechtlich ist es völlig unstrittig, dass es keinen Anwendungsfall des Artikels gibt, solange die rechtsstaatlichen Institutionen – allen voran das BVerfG – handlungsfähig sind und damit jedem der normale Rechtsweg offensteht. Somit handelt es sich bei der Berufung auf Art. 20 ihrerseits um einen versuchten Angriff auf die verfassungsmäßige Ordnung. Dieser gäbe im hypothetischen Fall, dass Polizei und Justiz ihre Waffen streckten, allen Bürgern, die die Auffassung der MWGFD nicht teilen, ein Widerstandrecht. Von einer Kapitulation des Rechtsstaats ist zwar nichts zu sehen. Wenn aber die Befürworter der Maskenpflicht eine ebenso paranoide Wahrnehmung hätten wie deren Gegner, bekäme es die Polizei mit zwei Fraktionen zu tun, die am liebsten Bürgerkrieg gegeneinander führen würden.

Vor diesem Hintergrund konnte die FAZ gar nicht anders, als die Annahme des Anzeigenauftrags zu verweigern – wissend, dass die Abgewiesenen und ihre Freunde über „Zensur“, „Gleichschaltung“ und „Diktatur“ lamentieren würden. Die MWGFD – nein, konkreter: Bhakdi, Christidis, Diemer, Hockertz, Homburg, Müller, Reiß, Ruppert, Schöning, Weikl, Wodarg et. al. – müssen sich die Frage gefallen lassen, wie die völlige Unverhältnismäßigkeit ihrer Reaktion auf die staatlichen Infektionsschutzmaßnahmen zum eigenen Anspruch passt. Der lautet nämlich, ihr Verein informiere „die Öffentlichkeit durch Bereitstellung von Materialien, die unter den Maximen der „Wissenschaftlichkeit“, „Vernunft“ und auch „Empathie“ erstellt wurden“ und wolle damit „zur vernunftorientierten Meinungsbildung der Entscheidungsträger beitragen“.

Und so scheitern die Beteiligten allesamt an ihrer eigenen Hybris: Vernunft ist für sie das, was ihnen in den Kram passt. Verantwortung für das, was sie mit ihren wie Monstranzen getragenen Professoren- und Doktortiteln bei autoritätsgläubigen Mitbürgern auslösen, tragen sie nicht. Schlimmer noch: Indem sie sich als Gralshüter der Wissenschaftlichkeit aufspielen, schaden sie der Wissenschaft, die wir in diesen Zeiten dringender benötigen denn je.

P.S. vom 1. Oktober: Vom Schwindelarzt Bodo Schiffmann habe ich im Google-Cache der MWGFD-Website noch ein Kleinod gefunden. Als der Großmetzger Tönnies seine Schlachterei dichtmachen musste, weil so viele Arbeiter infiziert waren, suggerierte der Arzt, der Fleischmogul habe in seinem Betrieb angeblich Erkrankte „aufgetrieben“, um seinem Fußball-Freund Dietmar Hopp (der in den Impfstoffhersteller Curevac investiert hat) einen Gefallen zu tun. 

P.P.S. vom 6. Oktober: Schiffmann tingelt derzeit mit einem seltsamen Heiligen im Luxusbus durchs Land. Was der erzählt, ist ehrlich gesagt nicht die Offenbarung. (Bibelfeste werden die Anspielung verstehen; ansonsten Link anklicken und den Kopf fixieren, um einer Gehirnerschütterung beim unvermeidlichen Dauer-Kopfschütteln vorzubeugen.)

P.P.P.S. vom 22. Oktober: Schiffmann hat – dem Anschein nach im Streit mit Homburg und anderen – den Verein verlassen. Ob er ausgetreten ist oder rausgetreten wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. 

Irre These: Schiffmann unterstellt Tönnies, in seinem Betrieb Erkrankte „aufgetrieben“ zu haben.

Hier geht’s zu Teil 1.

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